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"Kurier" vom 24.06.2010
Ressort: Leben
Seite: 16
Ausgabe: Wi,Abend
Am Feuer: Der KURIER wurde zu einer Schnupperstunde an der Grill-Akademie eingeladen und erlebte Biertrinker mit Einweghandschuhen
Burn-out, einmal andersDaumen runter heißt beim Grillen: Jetzt geht's um die Wurst. "Wenn im Steak eine Delle vom Daumenabdruck bleibt, dann ist es mürbe - und fürs Grillen perfekt. Beim Fisch ist es genau umgekehrt, der muss frisch sein", sagt Georg Mayr. Der österreichische Grill-Staatsmeister aus Schlierbach unterrichtet Anfänger im Umgang mit Grillzange und Anzündwürfel.
Grillkurse boomen. Jedes Jahr nehmen 2500 Freizeitgriller an der Akademie des Grill-Erzeugers Weber-Stephen auf Parkplätzen vor Bau- und Supermärkten teil und lassen sich in der Kochkunst am teuren Gerät einschulen. Der KURIER nahm über den Dächern von Wien, in Sichtweite der Ottakringer Brauerei, an einer akademischen Grill-Übung mit Prüfungscharakter teil.
"Wie ich 2005 begonnen habe mit der Grillschule, haben mich noch alle ausgelacht. Was kann man bei einem Grill-Kotelett bitte falsch machen, haben die Leute gesagt. Heute lacht keiner mehr", betont Österreichs Vorgriller Mayr. Und zwar ganz im Ernst.
Mit dem Grillen ist es hierzulande nämlich wie mit dem Fußball. Jeder kennt sich aus, jeder weiß es besser. In 80 Prozent der 3,5 Millionen heimischen Haushalte steht ein Kugelgrill, ein Gasgrill oder - horribile dictu - ein Elektrogrill. 60 Prozent der Singles braten ihr Fleisch hin und wieder auf dem Rost, sagt Weber-Manager Christian Hubinger. 47 Prozent grillen einmal die Woche, die überwiegende Mehrheit, zwei Drittel, schwört dabei auf Holzkohle.
Das Bier
Beim Grillen kann so gut wie alles schiefgehen. Von schlimmen Verbrennungen bis zu harmlosen Stilbrüchen. "Viele schütten sich Bier übers Kotelett, um den Geschmack zu verbessern, aber sie erreichen das Gegenteil. Durch die Hitze verdampft das Bier und entzieht dem Fleisch die Feuchte." Das läuft dann auf eine zähe Partie hinaus, weiß Grillchef Georg Mayr.
Der typische Röst-Geschmack beim Grillen kommt nämlich nicht von der Holzkohle oder vom Rauch - der ist sogar gesundheitsgefährdend -, sondern von der Güte des Lebensmittels und von der richtigen Temperatur (190 bis 200C), erklärt Ernährungsberater Christian Putscher, Modellathlet und absoluter Grill-Befürworter. "Grillfleisch ist ein Anti-Stress-Mittel, es bewahrt uns vor dem Burn-out."
Leo "Zauberer" Gradl ist wiederum ein Tiroler Grillexperte mit Schweißband und lockerem Mundwerk ("Viele Hände, schnelles Ende"), der sich nicht viel um die Grill-Etikette schert. Er wagt es sogar, Einweghandschuhe anzuziehen, bevor er den Mariazeller Wildsaibling trocken abtupft. Handschuhträger gelten unter Grill-Puristen, höflich ausgedrückt, als Exoten - hoher Weichei-Faktor! "Ich hab noch nie ein Bier mit Einweghandschuhen getrunken", meint ein Grill-Schüler am Rande der Veranstaltung. Das Zipfer - noch so ein Fauxpas im 16. Wiener Gemeindebezirk - schmeckt trotzdem.
Der Sex
"Früher hat man einen Tanzkurs gebraucht. Heute muss man grillen, um bei Frauen einen Riss zu machen", zitiert Manager Hubinger den Volksmund. Auf den Plakaten seiner Firma steht meist ein fescher Mann an der Feuerstelle, dem die Frauenherzen und -teller zufliegen. "Essen und Sex erhalten die menschliche Gattung am Leben", meint Grill-Fan Putscher, und verrät seine Einstellung zu strengen Diäten: "Der Mensch verliert zuerst die Geduld, dann die Lust und zuletzt die Lebensfreude." In dieser Reihenfolge.
Derweil köcheln die Schalotten im Rotweinsud, Leo wendet die Tiroler Kalbswürfel zum ersten und einzigen Mal. Dem unterbeschäftigten Grillschüler läuft das Wasser im Mund zusammen. Leo Gradl serviert dazu sein Grill-Latein: "Das pfeift."
Copyrighthinweis: © Kurier - Wien, 2010.
"Kurier" vom 24.06.2010
Ressort: Leben
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Ungestört essen
Gegrilltes erhält die bella figuraWas kann das Schwein dafür, dass es der Mensch paniert? Nichts. Das Fleisch nimmt erst über die Panier Fett auf." Frage, Antwort und Hauptsatz seiner Essensphilosophie spult Christian Putscher ab wie ein leichtes Hanteltraining. Während er spricht, spannt sich der Bizeps des Ernährungsberaters aus Tumeltsham in OÖ bedenklich. Wer so ausschaut, hat leicht reden? "Aber wo, wer seine Figur halten will, sollte öfters grillen", meint der studierte Ernährungswissenschaftler - Diplomarbeitsthema: "Schlankheit ohne Essstörung".
Putscher empfiehlt zart gegrilltes Fleisch wegen der hohen Nährstoffdichte. Vegetarisches Essen und Diäten lehnt er ab. "Wären unsere Vorfahren Vegetarier gewesen, wären wir heute nicht da." Die wichtigste Mahlzeit des Tages sei nicht das Frühstück, wie allgemein geglaubt werde. "Das ist Blödsinn. In der Nacht verbrennt man die wenigsten Kalorien."
http://www.christianputscher.atCopyrighthinweis: © Kurier - Wien, 2010.
"Kurier" vom 24.06.2010
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Ausgabe: Wi,Abend
Wussten sie, dass ...... man zwar kein Bier über das Grillfleisch schüttet, Biergeschmack aber mit anderer Rezeptur ganz einfach herzustellen ist? Man bestreicht das Fleisch mit einer Marinade aus Öl, Gewürz und Bier; oder man füllt Bier in eine Alu-Tasse und stellt diese in die Nähe der Glut.
... Grillen eine Frage von Minuten sein kann? Wenn es schnell gehen muss, ist das Fledermauserl, Muskelfleisch vom Rind- oder Schweineschlögel, ein ideales Gericht. Dazu passen am besten Erdäpfel, Gemüse und Gebäck. Bestreichen kann man die etwas zerfleddert daherkommenden Fleischstücke mit einer Senf-Kräuter-Marinade.
... Zuckergoscherln beim Grillen auf ihre Rechnung kommen? Für ein Schokoladensoufflé im Früchtemosaik benötigt man 120 g erwärmte Kochschokolade, 120 g flüssige Butter, 100 g Staubzucker, 100 g Mehl und zwei Eier, dazu verschiedene Früchte der Saison (Himbeeren, Heidelbeeren, Marillen, Erdbeeren, Zwetschken oder Mango) und Zitronensaft. Alle Zutaten warm vermischen und in eine ausgebutterte Souffléform gießen. Grillzeit: 12 bis 18 Minuten. Als Beilagen passen Vanilleeis, Schokoladenmousse oder geschlagenes Obers mit karamellisierten Ananasscheiben.
... George Stephen vor 60 Jahren in Chicago eine Boje in zwei Teile zersägte und damit die Urform des Kessel-Grills von Weber-Stephen schuf? Seine Nachfolger bieten heute Einsteiger-Griller für Holzkohle ab 89 Euro an.
... verbranntes Fleisch krebserregende Stoffe, heterozyklische Amine, enthält? Gesundheitsbewusste lassen die Holzkohle gut durchglühen und verhindern damit das Verkohlen des Grillguts bzw. schneiden verbrannte Stellen weg.
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