Aus dem Computertagebuch...
Erster Tag
Lieber Computer. Heute bin ich ganz alleine in der Früh aufgewacht und
habe gleich an dich denken müssen, wie du da so alleine in meinem
verstaubten Arbeitszimmer rumstehst, mit deinen vielen Kabeln und
Schaltern. Jetzt habe ich dich zwar erst seit ein paar Tagen, aber ich
glaube, daß ich es ohne dich einfach nicht mehr aushalten kann. Es ist
undenkbar für mich, wenn du nicht mehr da wärst, so schnell habe ich
mich an dich gewöhnt. Du schaust ja echt gut aus mit deinen vielen
elektronischen Sachen, die an dir so hängen und deinem tollen
Bildschirm, der mich immer so lieb anstrahlt.
Dritter Tag
Mein lieber Computer. Ich bin wirklich stolz auf dich. Ohne dich hätte
ich mein Referat und das alles gar nicht schaffen können. Bin ich froh,
daß ich dich habe. Ich spüre auch schon ganz tief drinnen, wie eine
echte Beziehung zwischen uns entsteht. Es ist so, wie wenn ich dich
schon lange gekannt hätte. Das ist ein Gefühl, das ich vorher gar nicht
gekannt habe. Und das verunsichert mich auch ein bißchen, denn
schließlich sagt jeder, daß du bloß ein Rechner, eine Maschine bist ohne
Herz und ohne Seele. Aber du und ich wir wissen, daß das nicht stimmt.
Vierter Tag
Mein allerliebster Computer! Gestern am Abend haben wir beide aber
wirklich lange gebraucht, bis wir diese neue Software durchschaut gehabt
haben. Ich hätte schon geglaubt, das schaffen wir nicht und ich muß mir
einen Experten holen, der mir dich erklärt. Aber du hast gezeigt, was so
alles in dir steckt. Beinahe geraucht hast du schon vor lauter
Anstrengung. Deine Dioden sind ja ganz schön ins Schwitzen geraten vor
lauter Blinken. Aber das ist es, was einen echten Freund ausmacht, der
nicht gleich aufgibt, wenn einmal etwas nicht gleich auf Anhieb klappt.
Ich weiß jetzt, daß ich mit dir alle Aufgaben, egal wie schwer sie auch
sein mögen, schaffen werde. Ich glaube ganz fest, daß unsere
Zusammenarbeit Zukunft hat.
Sechster Tag
Mein herzallerliebster Computer! Was sagst du jetzt! Ich habe dich um
hundert Mark aufgerüstet, sodaßdein Speicher größer ist als mein
Arbeitszimmer. Die blöden Bücher haben ja schon lange keinen Sinn mehr
gehabt, elende Staubfänger und Platzvernichter. Das Zimmer gehört jetzt
ganz alleine dir, dir und deinen Hardware-Produkten, die aus dir den
Schwarzenegger des High-Tech machen. Nächste Woche kriegen wir die
Klimaanlage hinein, sodaß du stets auf Konstanttemperatur arbeiten
kannst, und deine Schaltkreise nicht immer so feucht werden, wenn ich
daran herumspiele.
Siebenter Tag
Mein Computer! Warum hast du mir gestern den Zugriff an dich verweigert.
Wir waren doch immer ein Herz und eine Seele bisher. Habe ich dich
irgendwie beleidigt oder gekränkt? Oder war es wegen dem Becher Joghurt,
den ich gestern ungeschickterweise in deine Tastatur geschüttet habe.
Das tut mir echt leid, das wollte ich nicht. Aber du hast mich auf
einmal so erschreckt, wie du meinen Simulator hast abstürzen lassen.
Achter Tag
Warum spielst du immer noch den Gekränkten und ziehst dich andauernd in
deinen vergammelten Arbeitsspeicher zurück. Sogar den Plotter und den
Scanner hast du auf deine Seite gezogen, der Drucker wird ja schon lange
von dir beeinflußt. Nicht einmal einen winzigen Ton gibst du von dir,
das Einzige , das ich auf deinem Monitor noch sehen kann, ist der
elendige Wetterbericht von Neuseeland. Glaubst du, das interessiert mich
vielleicht. Ich möchte wieder die Spielchen mit dir spielen wie vor
einer Woche, wo du echt gut drauf warst und unsere Beziehung einfach
funktioniert hat. Ich fühle mich so unsagbar unglücklich, wenn ich den
Stoß CD-Roms ansehe, der bis unter die Decke reicht. Glaubst du, das hat
nichts gekostet. Mein Konto ist hoffnungslos überzogen, ich bin pleite,
und das alles nur, weil ich dich ausgehalten habe wie einen Einser. Ich
bin echt enttäuscht von dir.
Zehnter Tag
Wenn du glaubst, du kannst so mit mir umgehen, dann hast du dich aber
getäuscht. Das kannst du nicht mit mir machen. Das lasse ich mir nicht
gefallen. Wer bin ich denn. Sogar beim Steckerrausziehen hast du mich in
die Hand gestromt. Glaubst du das tut nicht weh. Oder hast du vielleicht
übers Internet Anschluss an ein anderes Gerät gefunden? Da wäre ich aber
bitter enttäuscht von dir. Daß du so schnell untreu werden kannst. Ich
habe recht, oder?
Letzter Tag
So, mir reichts. Du kannst machen, was du willst. Ich sperre jetzt das
Zimmer zu und unterhalte mich mit meiner Alten wieder. Die ist
wenigstens handlich und lieb zu mir. Leb wohl!


