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UnARTige Anekdoten aus Vergangenheit und Gegenwart

Anekdoten, Episoden ...

UnARTige Anekdoten aus Vergangenheit und Gegenwart

Neuer Beitragvon UnART am Montag 8. Mai 2006, 14:18

Nagende Gäste

Wer kennt nicht die gewissen Kästchen, die „Kramisuri“, Krimskrams beherbergen, welchen es ohne sie nicht geben würde. Meines steht am Balkon ins rechte Eck gerückt. Darin befinden sich unnötige Sachen die einmal zum Wegwerfen zu schade waren und vorübergehend Verstautes, im Weg stehendes. Aus dem „Vorübergehend“ werden dann Wochen, Monate, wenn nicht mehr. Alles ist vollgepfropft, aber hineinstopfen lässt sich noch das Eine oder Andere, wenn schnell die Tür danach schließt.
Mit Enthusiasmus selbstgesammelte Mineralien von alleinigen Liebhaberwert sind drinnen und im Herbst noch das übriggebliebene Vogelfutter vom letzten Winter. Dieser Sack mit Körnern ist vor Wochen geplatzt und sein Inhalt verteilt sich über den Balkon, wie die darunterliegende Terrasse. Doch wie? Körner bewegen sich doch nicht von selbst, und die herumliegenden Schalen sind Schrot, hohl und leer.

Plötzlich Rascheln in der Dämmerung; da bewegt sich was; huscht über Papier und Körner; zwischendurch nagende Geräusche. Dem heimlichen Spektakel nahekommend gibt es abschließendes Huschen und beklemmende Ruhe.
Es muss ein kleiner Mitbewohner sein, eine putzige Hausmaus fand den Weg über senkrechtes Gemäuer auf den ersten Stock zum lockenden Futtersack, der mit scharfen Nagezähnen schnell geöffnet war.
Dem kleinen emsigen Freund zu zuhören ist Freude in besinnlichen Stunden des Abends.
Die Hausmaus (Mus musculus) soll schon seit den ältesten Zeiten der treueste Genosse des Menschen gewesen sein. Bereits Aristoteles und Plinius berichten von den weltweit verbreiteten, dem Menschen folgenden kleinen Nager. Aus ihrem Obdach unternimmt sie Streifzüge. Mit größter Schnelligkeit rennt sie auf dem Boden dahin, klettert vortrefflich, springt ziemlich weit und hüpft oft längere Zeit nacheinander in kurzen Sätzen fort.
Der naschhafte Schlemmer liebt Süßigkeiten aller Art, Milch, Fleischspeisen, Käse, Fette, Früchte und Körner und legt davon Vorräte an.

Die Freude verflog schlagartig, als sich die Maus in der Küche hinter unzugänglichen Möbeln und Geräten verschanzte. Ab diesem Moment wurden wir erbitterte Gegner.
Auch am Balkon rumorte es weiter, es waren demnach mindestens zwei Gäste. Nach kurzer Info im Internet gibt es Erschrecken.
Die Hausmaus wirft 22-24 Tage nach der Paarung vier bis sechs, in Jahresfrist sicherlich fünf bis sechsmal, so dass die unmittelbare Nachkommenschaft eines Jahres mindestens dreißig Köpfe beträg.

Mit Speck fängt man Mäuse. Eine Mausfalle wurde schnell besorgt und mit Speck geködert, die Klappe gespannt um bei Druck blitzartig vorzuschnellen.
Unter dem metallenen Federbügel fängt sich der „Räuber“, doch die Falle wurde leergefressen ohne den Mechanismus auszulösen. Dasselbe geschah mit anderen Ködern wie Käse, Meetwurst – am liebsten naschten sie gewürzte Salami. Statt zu fangen, fütterte ich Mäuse.
Ein fein nachjustierter Mechanismus löst die Falle bereits bei kleinster Erschütterung aus, was beim Aufstellen höchste Feinfühligkeit erfordert.
Nun war der Metallbügel regelmäßig ausgelöst, der Köder gefressen, nur keine Maus in der Falle.
Langsam komme ich zur Überzeugung meine Nager zu unterhalten und die Falle als Sportgerät zur Belustigung anzubieten, welche dazu noch mit Leckerli belohnt.
Meine Mäuse verwenden das gefährliche Gerät, in dem sich höchstens mein Finger fängt, vermutlich als Katapult, welchen sie hinten am federgespannten Bügel auslösen, um mit frohlockendem Jauchzer durch die Luft zu segeln.

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Endliche Endlosigkeit

Neuer Beitragvon UnART am Donnerstag 21. September 2006, 14:10

Eine kleine grüne Raupe kriecht auf dem oberen Rand der Untertasse eines Blumentopfes. Einfach scheint die Bewegung auf vielen Füßen ja nicht, kann man eigentlich Füße dazu sagen? Ein Tausendfüßler läuft, die Koordination von „tausend“ Beinchen muss schwierig sein, doch Evolution fand mit Hilfe einiger Hirnareale für alles eine Lösung.
Die Raupe schiebt ihren Hinterteil nach vorne, wozu sie sich in der Mitte aufbäumt, um schließlich den Vorderteil vorzustrecken, die Mitte wieder in Flachlage bringt - wie eine Feder, die sich entspannt, dann neuerlich eine Spannung verursacht.
Spannung, Entspannung, atmen, pumpen, pulsieren, zirkulieren, sich in der Endlichkeit zu wiederholen, ist es nicht Synonym des Lebens in der Unendlichkeit eines Kreislaufs?
Dazu gehört auch das Kriechen, Insekten laufen im Verständnis des Menschen nicht, sie kriechen. Raupen entwickeln sich in einer Metamorphose zu einem Schmetterling und fliegen, das steigert dann etwas unsere Achtung.

Doch jetzt kriecht sie, besser sie schiebt sich im Kreis am oberen Rand des Untersetzers, über ihr das Paradies der Pflanze, dazwischen zum Topf ein tiefer Wassergraben, wie ihn alte Schlösser und Burgen hatten. Geregnet hat es, Wasser sammelte sich im Untersetzer; nur etwa fünf Zentimeter Wasser trennen die Raupe von ihrer bestimmenden Begierde.
Zweidimensionale Wesen würden in der Meinung vorwärts zu kommen ewig im Kreis laufen, die kleine grüne Raupe tut es auch. Wer weiß wie viele Runden sie bereits drehte, als Stunden vergangen waren; immer im Uhrzeigersinn, von links nach rechts, von oben nach unten; allerdings ist in der Analogie des Kreises das Gegenteil ebenso war, alles nur Anschauungssache.
Etwas schneller und hektischer wurde sie, immer wieder ins Innere, den Wassergraben tastend, ob es nicht doch endlich eine Möglichkeit zum Übersetzen gibt. Inzwischen kam Besuch, zwei Ameisen laufen mit um die Wette – die müssten auf Grund ihrer Geruchsspur doch wissen, dass sie sich wiederholen, bereits wieder ihrer alten Fährte folgen.

Warum kriecht die kleine grüne Raupe im Uhrzeigersinn, wie die meisten Kletterpflanzen mit ihren Ranken im einseitigem Kreisen halt suchen, alle winden sich in gleicher Richtung um Stangen.
Kann eine Raupe sich umdrehen? – aber dann ginge es ja zurück, hat schon wer eine Raupe zurückkriechen sehen?
Nach weiteren Stunden ist der Kriecher verschwunden. Die Kontrolle der Pflanze und des Wassergrabens erbringt nichts. „Without a trace“. Wurde sie von einem der vielen Vögel entdeckt und einer anderen Bestimmung zugeführt?

Die Ameisen sind auch weg. Die sind nicht weggeflogen, obwohl Ameisen auch fliegen können. Mindestens einmal im Jahr schwärmen sie übergangslos wie auf Kommando aus einem Nest, trocknen ihre Flügel, erklimmen wenn möglich eine Ausgangsposition für den Abflug. In diesem Jahr war es mein Oleander, wo sie aus finsterer Erde kommend raufkrabbelten, hunderte, tausende, mit- und hintereinander.
Doch halt! Viele drehen wieder um, wollen zurück ins schützende Dunkel, wo sie vermutlich gefüttert wurden, doch weit kleinere Artgenossen treiben sie unerbittlich vorwärts, bis sie sich ihren Schicksal ergeben, die Flügel ausbreiten und in eine ungewisse Zukunft schwirren. In vielen Richtungen schwärmen sie davon, als ob ein Zufallsprinzip herrsche.

Für Menschen gibt es zu räumlichen drei Dimensionen noch die Zeit. Wir erkennen Wiederholungen, was uns jedoch nicht hindert im Kreis zu laufen, Bekanntes dem Unbekannten vorzuziehen.
Beklagte Gewohnheiten wollen viele nicht brechen, sie gewähren Sicherheit, Schutz, selbst wenn es noch so dunkel.
Haben möchte man mehr, jedoch ohne sich selbst zu verändern, das eigene Sorgenpakerl ist bekannt, soll man sich da ein ungewisses aufhalsen? Damit lernten wir zu leben und vererben es weiter, schließlich schadete es uns ja auch nicht und warum soll es jemand anderem besser gehen?

Diese Wiederholung tragen wir auch ins Forum, gehüllt in eingefahrene Verhaltensmuster und Sichtweisen, unbeirrbar vorwärts im Kreis laufend. Star sind wir und beharrlich, machen Sturheit zur Tugend indem wir ihr Attribute wie „selbstbewusst, verlässlich, treu, überzeugt, erfolgreich“, auch andere Beifügungen umhängen.
Solidarität und Egoismus verschwimmen zu einer undefinierbaren Brühe, übrig bleibt ein besserwisserisches, streitsüchtiges ICH, das alles Böse im Anderen entdeckt, obwohl man sich gegenseitig nichts schuldig bleibt.
Unserem UnART-Forum schadet es relativ wenig, wird für einige sogar fragwürdige Kurzweil. Es kann mit dem „Small-Talk“ ein abwechselnder Bereich sein, solange Andere mithelfen, aus unserem Forum ein Gesamtkunstwerk zu produzieren.
Bereits lange ist UnART „oft kopiert, doch nie erreicht“, aber unser aller Forum könnte besser werden. Lassen wir doch streiten und talken, solange es Themen nicht zerstört.
Produktive Geister sorgen statt dessen für die essentiellen UnARTigkeiten.
Spannen wir unsere Flügel aus.

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UnARTige Anekdoten aus Vergangenheit und Gegenwart

Neuer Beitragvon UnART am Samstag 8. September 2007, 20:07

Das Popele

Unter Popele versteht der Volksmund ein kleines Kind und die sprachlichen Wurzeln dürften im Lateinischen >populus< liegen, was etwa >Volk< oder >unfertige Menschen< bezeichnet. Umgangssprachlich ist der Popel ein schmutziger kleiner Junge und popeln tut man mit dem Finger in der Nase.
Woher unser Popele kommt ist jedoch für manche dubios, wie folgende Anekdote zeigen wird.

Der Autor stammt mütterlicherseits aus dem wunderschönen Mittelkärntner Ort >Sirnitz< , welcher die überzeugtesten Nationalisten beheimatet. Der Ortsname selbst stammt wieder aus dem slawischen und bedeutet etwa >Käsedorf< .
Von Vaterseite gibt es Osttiroler Wurzeln. Der stammt aus dem allseits bekannten Höhenluftkurort Matrei. Die heute größte Nationalparkgemeinde liegt als letzter Markt vor dem Felbertauerntunnel nach Salzburg. *1)
Ohne auf den Namen >Matrei< einzugehen sei erwähnt, dass er auch >Windisch Matrei< genannt wurde.
Die Windischen sind ein Volk mit slawischen Wurzeln, wovon es in Kärnten noch eine Volksgruppe gibt. In Matrei weisen einzelne Flur und Bergnamen wie >Venediger< daraufhin. >Windisch< ist vermutlich eine Ableitung vom slawischen Stamm der >Wenden< , die sich vor 1854, nachdem die Gebrüder Grimm in ihrem Wörterbuch das >V< zu >W< eindeutschten, >Venden< schrieben.
Aus diesem Matrei stammt die Geschichte mit dem Popele, die sich etwa um den August 1925 zutrug.

Der Lenzingerhof thront südöstlich ausgerichtet eine gute Stunde Fußmarsch über Matrei, auf saftiger Leite mit sanften ebenen Einschlüssen. Rechts davon trotzt ein steiler hoher Kalksteinfelsen inmitten von Granit und Gneis aus Grün und Wald.

Bild
(Der Falkenstein ist ein Kalkfenster im Tauerngestein. Mineralogen und Laien wie ich fanden dort Bergkristalle und grünen Serpentin.)

Im August waren gerade die Männer des Lenzenbauern zur Mahd auf den steilen Almwiesen, welche nur noch dem festen Tritt und gut genagelten Schuhen Halt geben. Dort mähten sie die gesunden Kräuter als Wintervorrat für das Hausvieh. Darunter befanden sich fleckenweise dichtgedrängtes Edelweiß, das ohne den regelmäßigen Sensenschnitt kein Licht zum Wachsen fände. Kurze Grasstoppel hielten im Winter zudem noch den Schnee, der sonst als Lawine über geknickte Halme als Schneelawine Richtung Tal abzugehen droht.
Die Lenzingermänner übernachteten in einer Schupfe (Heuhütte) der Hochwiesen, die auch Kochgelegenheit für das Frühstück und Abendessen bot. Im Bauernhof verblieben nur die Lenzingermutter, deren achtjähriger Sohn, welcher das Mittagessen auf die Steilwiesen trug und dessen hochschwangere Schwägerin. Genau zu solchem Zeitpunkt setzten frühnachts die Wehen ein und die Mutter bat den Achtjährigen, der Hebamme im Markt einen kurz geschriebenen Brief zu überbringen.
Der Kleine kannte zwar seinen Schulweg von über einer Stunde, doch jetzt war es dunkel und er fürchtete sich vor dem Teufel und den Geistern, wovon oft nach dem Abendessen erzählt wird, was ihm manchmal ein wohlig grausliches Schaudern über den Rücken jagte. Straßenbeleuchtung gibt es heute noch nicht. Damals war die eng gewundene steile Straße durch Wald und Gestein nur ein Weg und Abkürzungen ließ die Finsternis nicht zu.
“Aber warum den jetzt, wo es finster ist Mame! Morgen wenn es hell wird, will ich gerne gehen”,
war seine Antwort. Es war ihm einfach unverständlich, wieso er in der tiefen Nacht wegen eines Briefes für die Hebamme den gefährlichen Weg machen sollte.
Doch so sehr er sich auch wehrte, die Mutter bestand darauf:
“Nein! Du musst jetzt gehen!”
So zitterte er den langen, teils steilen Weg in den Markt hinunter. Der gemeinsame Heimweg mit der Hebamme war wohl beschwerlich, aber nicht mehr derart Furcht einflössend.
Körperlich und vielmehr seelisch erschöpft schlief er dann den Schlaf des Gerechten, bis ihn morgens seine Mutter mit erfreutem Gesicht daraus erweckte und aufforderte:
“Schau hinaus ins Stüble!”
Dort fand er seine Schwägerin und in einer Wiege ein gesundes starkes Kind.
Mit großen Augen fragte er erstaunt:
“Wo ist denn das her gekommen?”
“Das hat die Hebamme gebracht”, kam die Antwort.
Da zweifelte der Achtjährige, weil er genau wusste, dass die nur eine kleine Ledertasche mithatte, in die ein so großes Baby ja hineingequetscht wäre und erwiderte:
“Aber die Tasche war doch viel zu klein!”

040823 © http://www.unart.at.tt
*1) http://www.matrei-ost.tirol.gv.at/
*2) http://derstandard.at/?url=/?id=1735906%26_index=17
http://www.extremklettern.de/infos/klet ... /index.php
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Re: UnARTige Anekdoten aus Vergangenheit und Gegenwart

Neuer Beitragvon UnART am Montag 29. Oktober 2007, 15:51

Am Tag als der Regen kam

Während ich auf der Terrasse saß, begann es zu regnen. Bereits in der Nacht zum Vortag spendete der Himmel etwas Feuchtigkeit – keinen Guß, der über bereits lange verschlossene trockene Erde hinwegrinnt, sondern bedächtige Nässe, welche den Boden lockt und öffnet.
Auch heute entfalteten sich keine gewaltigen Schleusen. Sanft legte sich der Regen über bereite Erde, spielte mit sich entgegenstreckenden Pflanzen. Kein bedrohliches Prasseln, nur beruhigendes Gluckern, begleitet vom befreiten Gesang der Amseln.
Die Gedanken flogen Jahre zurück in die Jugendzeit. Jedes Jahr im Mai siedelte unsere Familie auf die kleine Ranch auf der Schattseite im Gurktal. Die Schule besuchte ich bis zu den Sommerferien und im Herbst als Fahrschüler. Zur nächsten Bushaltestelle führt ein Waldweg, heute würde man diesen Marsch von jeweils einer halben Stunde, der oft freiwillig länger dauerte, als Erlebnispfad beschreiben. Der tägliche Weg von über einer Stunde und nochmals soviel Zeit für den Autobus belastete uns nicht, konnten wir doch immer Vertrautes oder Erlebnisse erfahren.
Mitte Mai herrschte damals auch eine lange anhaltende Dürre. Jeden Tag erbaten wir bereits Regen. Pflanzen hingen schlaff, Quellen begannen zu versiegen, an Rinnsalen versammelte sich das Vieh. Eines Tages begann es doch zu regnen. Wir öffneten die Fenster und konnten uns am tränkenden und reinigenden Prasseln nicht satthören. Im Radio tönte „Am Tag als der Regen kam“ von Dalida und wir sangen mit.

Am Tag als der Regen kam, langersehnt, heißerfleht,
auf die glühenden Felder, auf die durstigen Wälder,
am Tag als der Regen kam, langersehnt, heißerfleht,
da erblühten die Bäume, da erwachten die Träume,
da kamst du.


http://www.youtube.com/watch?v=gpKPB2WhkkU

Am Tag als der Regen kam
Musik: Gilbert Bécaud / Originaltext: Pierre Delanoe / deutscher Text: Ernst Bader Gesang: Dalida / Instrumental Charlie Brown
Im Film “Am Tag Als Der Regen Kam” wurde das Titellied von Dalida gesungen Dalida, geboren 1933 in Kairo, 1954 zur Miss Ägypten gekürt. Mit 22 Jahren zog sie nach Paris. 1956 der erste große Erfolg mit "Ciao, ciao bambina". Dann der Riesenerfolg in Deutschland mit "Am Tag als der Regen kam".
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Re: UnARTige Anekdoten aus Vergangenheit und Gegenwart

Neuer Beitragvon UnART am Montag 29. Oktober 2007, 15:56

Die Semmelträgerin

Zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg wuchsen in Mittel-Kärnten zwar die Bäume Richtung Himmel, doch gebratene Tauben flogen darin nicht herum.
Es war für viele eine Zeit der Dürftigkeit und Armut. Besonders den Bauern ging es wirtschaftlich nicht gut. Die meisten nagten an ihren Schulden, welche trotz aller Bemühungen immer größer wurden.
So kam es, dass viele einen Teil ihres Grund und Bodens loslassen mussten, wenn nicht gar ihr gesamtes Hab und Gut zum Verkauf oder einer Versteigerung gelangte.
Diese günstigen Okkasionen nutzten die unerbittlichen Geldgeber und übernahmen die Besitztümer der Bankrotten. Waren sie nicht an den Liegenschaften interessiert, bot sich ein Gelegenheitskauf für andere Erwerber, welche oft selbst nicht viel hatten.
Es war auch die Zeit einiger strebsamer italienischer Handwerker und Händler, die sich in Kärnten verbleibend ansiedelten.
Mancher De Zordo, Bearzi, Adami, De Monte, Della Pietra, Dorighi, Buzzi, Cerne, De Cillia aus dem nahen Nachbarland brachte es bei uns durch Arbeit und Eifer zu Ansehen und Wohlstand.
In Höfling und Glanhofen unweit von Feldkirchen, bevölkern beispielsweise beinahe zur Hälfte Buttazonis und Collinos die Ortschaften und Gehöfte.
Im Bereich Tiffen mit seiner standhaften Wehrkirche hauste eine Familie Tolazzi auf einer dieser günstig erworbenen Huben. Und eben diese kleine Bauernwirtschaft suchte die Semmelträgerin auf.
Damals galt eine Semmel aus Weißmehl als etwas Besonderes, was sich kaum wer leistete und schon gar nicht regelmäßig auf dem Tisch fand.
Diese Semmelträgerinnen, selbst arme ältere Frauen, trugen solche Köstlichkeiten in Körben von Haus zu Haus und über mühsame Wege von Gehöft zu Gehöft. Zum kargen Lohn als Zusatzverdienst gab es da und dort ein wenig Jause.
Der Mutter Tolazzi eben offerierte sie auch ihr Gebäck, das diese mit Verweis auf den Preis partout nicht erwerben wollte.
Die noch unbelohnte Semmelträgerin suchte nun als Rettungsanker die zwei am Stubenboden spielenden Kinder , indem sie an die Mutterinstinkte appellierte:
“Nimmst doch wenigstens für die Kinder eine Semmel !”
worauf die Tolazzi-Mama in ihrem gebrochenen Kärntnerisch einwandte:
“Die Kleinen brauchen Semmel nix! Tino isst sich schon Polenta (*) und Gino tut sich noch tuteln !”

So begab es sich! auch wenn der genaue Wortlaut und Namen nicht verbürgt sind.

(* Polenta ist ein meist aus Mais-Grieß hergestellter fester Getreidebrei, der in Norditalien (Lombardei, Friaul, Veneto) und Teilen der Schweiz und Österreichs zur regionalen Kochtradition gehört.)
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Re: UnARTige Anekdoten aus Vergangenheit und Gegenwart

Neuer Beitragvon UnART am Montag 29. Oktober 2007, 15:59

Mit Wolken spielen

Wolken zogen heute von West nach Ost über Südösterreich. Sie teilten sich um großteils ein Sonnenfenster freizulassen. Nördlich der Alpen soll es Schlechtwetter geben, davon hatten wir auch genug. Zufrieden sauge ich die Sonnenstrahlen auf und baumle mit der Seele.
Nun ist es Abend. Vögel geben ihr Konzert, vermischt mit der Chormusik aus dem Radio und dem Motorengeräusch der Autos, dazwischen grollt tief der Sound eines Motorrades und wie hektische Wespen der Klang von Mopeds, Jugendliche fahren hintereinander und nebeneinander vorbei.
Es ist eine laute Zeit in der wir leben, doch bevor Erregung aufkommt gibt es die Rückbesinnung auf die eigene Jugend. Waren wir im Bereich unserer Möglichkeiten denn viel anders? „What a beautiful noise“, wie es Neil Diamond besingt.

Als Menschen sind wir bevorzugt auch Stillleben erkennend zu betrachten, doch gibt es die kleinste Bewegung, weckt es in uns sofort den alten Jäger und Flüchter, so schweift mein Blick zu den Wolken, die in Pastelltönen von aprikot über rosa Töne, hellgrau, durchzogen mit bedrohlichem Dunkelgrau am Himmel wie hingemalt hängen. Aber sie hängen nicht, sie ziehen, verändern Form und Farbe. Sich ewig neu schaffenden Gebilde im Sog der Strömungen besitzen etwas magisch Anziehendes, anregend für die Phantasie. Formen und Figuren lassen sich herausdeuten. Früher bezogen sogar Schamanen unter anderem so ihre Kenntnisse über Hintergründe, Vergangenheit und Zukunft. Es gab Aufschluss, wie das Gedärme eines Tieres, fallende Knöchelchen, oder heute noch Tarotkarten und Kaffesud.

Gerade beginnen ein paar Wolken sich auszufransen, bilden Nadeln wie ein fraktales Bild in Form eines breiten Tales mit allen schmalen gewundenen Seitentälern. Die Seitentäler verselbstständigen sich, formen miteinander unbekannte Schriftzeichen - Keilschrift, Runen, dann mal fast Kyrillisch, folgend eher Arabisch – ist es eine Botschaft, die nicht verstanden wird? Jetzt gestaltet sich auf einem Wolkengebirge klar und deutlich ein Kreuz, kurz danach gegen Osten alleinstehend ein Halbmond - doch eh ich mich versehe wird aus dem Kreuz eine Keule mit scharfen Querspitzen und aus dem Halbmond ein Krummsäbel. Wie von Geisterhand berührt verdünnen sich die Wolken bis zur vollständigen Auflösung und lassen einen klaren Himmel zurück.
Nun lehne ich mich zurück und werde ein Kind, wie es Tagore beschrieben. Es gibt keine Frage, nur Sein. Mit den Wolken will ich spielen, wenn sie wiederkommen!
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Re: UnARTige Anekdoten aus Vergangenheit und Gegenwart

Neuer Beitragvon UnART am Montag 29. Oktober 2007, 16:02

Der Sauschneider und der Pfarrer

Tiffen ist ein kleiner Ort mit einem trutzigen Wehrkirchlein. Einst wallfahrteten Pilger von nah und fern dorthin, um eine gute Ernte oder sonst was zu erbitten.
Diese ländliche Gegend zwischen Feldkirchen und dem Ossiachersee, mit Gasthaus, Ortsgebäuden, Tal- und Einschichtgehöften, stand dazumal sogar unter eigener Gerichtsbarkeit, wie es auch sagenumwoben in der Überlieferung von den “gebratenen Tauben von Tiffen” zum Ausdruck kommt.
Darin wollte ein Richter die wegen ihres verurteilten Sohnes führbittenden Eltern loswerden, welche ihm die Mahlzeit störten.
“Euer Sohn ist des Diebstahls überführt”, war sein Wort. “Das ist so sicher, wie dass diese gebratenen Tauben niemals wieder fliegen können !” Worauf den Tauben wieder Federn wuchsen, dass sie durch das geöffnete Fenster davonfliegen konnten.
Erschrocken setzte der Richter sein Urteil aus, welches für den jungen Bauernburschen den Strick vorsah, der auf dem Galgenbichel hing. Noch heute heißt eine kleine Erhebung unweit von Tiffen so.

Weit später, in der Nachkriegszeit, begab sich eine andere Geschichte, welche weithin Bekanntheit erlangte. Kaum jemand, der sie als humorige Anekdote kennt weiß, dass es sich in Tiffen zutrug.

Am Land galt ein Pfarrer noch als unangefochtene Autorität und solche sandte dem wenig bedeutsamen örtlichen Sauschneider eine Rechnung. Genauer gesagt handelte es sich um die Kirchensteuer von der Diözese.
Ein Sauschneider der >Bargl< zu >Altschneider< macht - verständlicher ausgedrückt: alternde Zuchteber kastriert, damit deren Fleisch für den Verzehr genießbar wird, nimmt es nicht so genau mit Adressen und Rechnungsschreibern. Für ihn ist einfach sein Pfarrer zuständig und dem verrechnete er für Sauschneider-Leistungen postalisch die gleiche Summe, wie ihm als Kirchensteuer vorgeschrieben wurde.
Beim nächsten persönlichen Treffen fragte der Pfarrer tadelnd:
“Wie kommst du dazu, mir eine Rechnung über Sauschneidearbeiten zu stellen, wo ich keine Schweine halte ?”
Die Antwort des Sauschneiders fiel kurz und trocken aus:
“Sie schicken mir doch auch die Kirchensteuer zu, obwohl ich nie in der Kirche war !”

So begab es sich! wenn auch nicht wortwörtlich.

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Der zweite Frühling

Neuer Beitragvon UnART am Donnerstag 29. November 2007, 19:38

Der zweite Frühling

Die Sonne wärmt aus wolkenlosem Himmel durch das Fenster. Blattlose Stengel der Kletterrosen ranken sich trist um den Rosenbogen vor der Terrasse.
Am folgenden Wochenende ist der meteorologische Herbst zu Ende und dennoch regen sich Frühlingsgefühle, obwohl Haus und Garten bereits für den Winter vorbereitet wurden. Empfindliche Pflanzen befinden sich eingewintert, im Freien überwinternde Pflanzen sind zurück geschnitten, Büsche für die erste schwere Schneelast zusammengebunden.
Doch das Gras ist noch grün, selbst wenn es dieses Jahr keinen Mahd mehr erlebt. Mit der wärmenden Sonne steigt eine Sehnsucht, dass alles frisch keimt und wachsen möge.
So geht es nicht mir allein. Hausspatzen und ihre größeren Verwandten, die Feldspatzen, tummeln sich am Rosenbogen, als wollten sie den Frühling eintanzen. In der Hecke und auf den Bäumen machen es ihnen Finken, Meisen gleich. Der Specht hämmert den Rhythmus des Lebens in den Stamm der Silberfichte.
Die wilde Primel scheint sich ebenfalls in der Zeit zu irren. Einer der ersten färbigen Frühlingsboten blüht am Winteranfang in der Zeit des Sterbens und wird den nächsten Frost trotz aller Widerstandsfähigkeit nicht überleben.

Bild

Ein Schmunzler kommt auf, ein stiller, so wie man über sich selber lächelt. Bin ich nicht selbst im Herbst meiner Lebensreise angelangt? Trotzdem fühle ich mich jung. Jünger als früher, als vieles noch so wichtig schien. Im zweiten Frühling bin ich angelangt, wie die Primel, die blassgelb am Adventanfang im Schutz am Fuße der Hecke blüht. Die kleine zarte Blume verirrte sich im Zodiak des Jahres und ich im Kreislauf des Lebens. Schuld ist die Sonne, die schon längere Zeit so freundlich auf uns strahlt. Dankbar will ich ihr sein, trotz dem Bewusstsein, dass der nahe Winter nicht aufzuhalten ist. Bis dahin ist noch viel zu tun. Der Dünger will ich sein, auf dem sich neues Leben aufbauen kann. Selbst wenn gewusst wird, es ist nicht wichtig, will ich eine Schulter werden, von der andere weiter sehen.
Dann soll der Schnee doch kommen, mit seiner Reinheit und Klarheit, der sich über alles legt. Ein Teppich unter dem Gestorbenes die Nahrung für neues Leben wird, das mit dem kommenden Frühling ans Licht drängt.
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Fruktose und Laktose gehen in die Hose

Neuer Beitragvon UnART am Montag 2. Juni 2008, 17:02

Heiß ist. Bisher trank ich Bier als Durstlöscher. Kühl muss es sein bei der Hitze. Ernährungswissenschaftler stellten jedoch fest, Alkohol und Rauchen sei an heißen Tagen gesundheitsgefährdend. Was die sagen wird schon stimmen, denkt ein Unwissender und stellt seine Durstlöscher um.
Fruchtsäfte sollen gesund sein. Doch Achtung! Vitamine verflüchtigen sich schnell bei Hitze und Licht schadet ihnen. Macht nichts! Trinken wir Fruchtsäfte eben „EX“ in einer dunklen Zimmerecke. In den finsteren Keller gehe ich deswegen nicht.
Der Multivitaminsaft will nicht so recht kühlen ... gesüßt ist er auch ... so klebrig. Handelt es sich um Süßstoff oder ist es natürliche Picke. Mir wird immer heißer und ... zu jedem Fruchtsaft brauche ich ein Glas Wasser.
Mies geht’s ... Schwindelgefühl stellt sich ein. Das Herz pumpt rasend mit Taktproblemen. Ist es ein Vitaminschock? Immerhin muss man so viele Vitamine erst mal verkraften!
Im Hausarzt-Buch lese ich: Fruktose, der Fruchtzucker, kann aufs Herz schlagen.

Isotonische Getränke klingen nach einer guten Variante. Sportler bin ich zwar keiner ... na ja, ein wenig Gewicht gehoben und bewegt wird wohl. Da benötigt man schon einen Energielieferanten für die Ausdauerleistung und einen Mineralstoffausgleich zum Schwitzen. Der Zuckergehalt ist nicht derart hoch, dass es zu einer Verzögerung der Wasserresorption kommen kann, wodurch man wie beim Trinken von Fruchtsäften dehydriert. Eigentlich interessant, wer hätte für möglich gehalten, beim Trinken auszutrocknen?
Aber wer behauptet, das Getränke ist isoston? Ein zu Viel an Spurenelementen und Mineralien scheint gegeben. Mir geht es überhaupt nicht gut!

Was ist eine Alternative? Es hilft nur Information. Der nächste Gesundheitsapostel rät zu Tee. Warm muss er sein, weil kalte Getränke dem Körper einen Schock versetzen. Wie ein verkehrter Kühlschrank soll unser Körper funktionieren. Kalte Getränke wärmen ihn auf, was ja bei Hitze nicht unbedingt empfehlenswert ist, warme Getränke kühlen herunter. Wie in den Kühlschlangen des Gefriergerätes soll es funktionieren. Wieder ein Beweis ... die meisten Techniken werden der Natur abgeschaut. Nur wo haben wir unsere Kühlschlangen? Was soll's. Irgendwer wird sie schon finden, wenn er lange genug danach sucht.
Schlimm ... an heißen Tagen warmen Tee zu trinken. Wie soll man so zwei bis drei Liter Flüssigkeit pro Tag zusammenbringen, was Fachleute ja fordern? Gut geht's einem nicht dabei.
Ein flaues Gefühl breitet sich im Magen aus und verteilt sich über den ganzen Körper. Mein Arzt riet mir vom Tee ab, weil der basisch die Magenwände und sonst noch was auslaugt.

Heureka! Es ist gefunden! Schau' n wir doch was Warmland-Bewohner trinken. Die wissen sicher mit Hitze umzugehen.
Ein bekannter Türke fällt mir ein. Literweise Kaffee zu schlürfen ist sicher nicht gesund. Doch der kleine zuvorkommende Mann lud mich zu einem Getränk ein, dessen Namen ich vergaß. Joghurt mischte er mit zwei bis drei Teilen Wasser. Varianten mit Früchten, Marmelade oder anderen bieten sich ebenfalls an. Durch Schwitzen verliert man Salz, weshalb auch eine Prise davon hineinkommt. Lecken sie mal über ihre Haut, dann schmecken sie, was sich bei der kühlenden Körperausdünstung dort oberflächlich ablagert. Das lebenswichtige Elektrolyt.
Für Wüstenaufenthalte sollten sie zum Wasser auch Salz einpacken. Warum leckt man sich nicht gegenseitig ab? Tiere tun es bekanntlich mit Vorliebe. Bewohner heißer Gegenden wissen um die Wichtigkeit des Salzes, während nordische Kulturen Vieles lieber süßen.
Hoppala! Was ist jetzt wieder los? Selbst naturreines Joghurt ist nicht ohne Zucker. Laktose muss man erst vertragen. Was für kleine Kinder gut ist, muss einem Erwachsenen nicht bekommen. Obwohl mir keine Unverträglichkeit bekannt ist, kommt es zum Laktoseschock.

Jetzt reicht's! Ab sofort trinke ich wieder mein Blondes, selbst, wenn es laut Fachleuten bei Hitze die Gesundheit gefährdet.
Bier weitet Blutbahnen und schwemmt die Nieren, auch wenn es manche für ein Vorurteil halten. Die tägliche Ration von zwei bis drei Litern ist damit leicht zu schaffen. Sollten der Blutkreislauf zu weit werden, regle ich ihn mit Nikotin, dass Adern und Venen verengt und ein wenig erstarren lässt. Wurde zu viel geraucht ist einfach die Biermenge etwas zu erhöhen. Gegen mögliche Kopfschmerzen hilft Aspirin, welches dazu günstige Eigenschaften, wie Blutverdünnung, aufweist. Bei zu viel Bier und Nikotin stellt sich angenehme Müdigkeit ein, die einem an allen möglichen und unmöglichen Orten schlafen lässt. Frisch und ausgeruht ist danach mit der bewährten Methode fortzufahren.
Upps! Ist es überhaupt noch heiß? Eigentlich egal ... dieses Konzept bewältigt jede Temperatur.
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In der Werkstatt

Neuer Beitragvon UnART am Donnerstag 10. Juli 2008, 00:57

Wer kennt es nicht. Das Auto läuft tapfer bis zum ersten Leiden. Davon wird ein anderer Teil in Mitleidenschaft gezogen. Und nachdem es in der Werkstatt war, gibt es ein Wehwehchen nach dem anderen. Ähnlich verhält es sich mit dem Körper, selbst wenn dieser weit komplexer ausgelegt ist.

Über fünfzig Jahre verrichtete er ohne Kinkerlitzchen seinen Dienst. Na ja! - Drei vier Mal kochte er etwas über. Mit Fieber wehrte er eindringende Viren oder Bakterien ab. Doch sonst gab es nichts als einen selbst verschuldeten Unfall. Viel wurde ihm zugemutet. Irgendwie ist es als Raubbau an der Gesundheit zu bezeichnen, die vielen durchgefeierten Nächte, den Dauerstress im Beruf, der sich selbst bis ins Privatleben zog. Eine andauernde Überforderung, welche selbst in Freizeit und Urlaub nicht Halt machte. Opulente Speisen zu den unmöglichsten Tageszeiten, heiß und kühlschrankkalt wie die Getränke. Jede Menge Koffein, Nikotin, auch Hochprozentiges und wer weiß noch was? Oftmals in einem regelrechten Wettbewerb, wessen Körper mehr verträgt.
Verlässlich verrichtete er seinen Dienst, obwohl man sich im Nachhinein wundert, wie er alles weg steckte.
Einmal kommt dann doch das erste Schwächezeichen. Überrascht stellt man Asthma fest. Schließlich ist man nicht gewohnt, dass die Biomaschine nicht läuft. Nach schlaflosen Nächten und schrecklichen Tagen unter Atemnot suchst doch den medizinischen Biomechaniker auf. Medikamentöse Werkzeuge bringen Linderung. Das Werkel ist wieder betriebsbereit, auch wenn es nie mehr das „alte“ sein wird. Die Luftpumpe wurde beschädigt und versieht ihre Funktion lediglich eingeschränkt. Einige Zeit läuft es tadellos, wenn auch gewesene Leistung nie mehr erreicht wird. Bevor man sich darauf einstellt, lagert sich Flüssigkeit in den unteren Extremitäten ab. Nun ist der nächste Besuch beim Biomechaniker fällig. Der stellt noch besorgniserregenden Blutdruck fest. Der ist so hoch weil die Luftpumpe entlastet werden musste, und die Medikamente die Blutpumpe fordern. Die Überforderung führte zu den Wassereinlagerungen in den Beinen. Jetzt gibt es zu den Medikamenten für die Lunge noch welche gegen erhöhten Blutdruck, gegen die Gefahr eines Herz- oder Schlaganfalls, eines zur Blutverdünnung und ein wassertreibendes für das Ödem in den Beinen. Na gut. Welches ist nun wann zu nehmen? Da ist ein Plan erforderlich. Noch ein paar Medikamente und man spart sich die Mahlzeit dazu.
Weil so was noch lange nicht alles ist, wenn es mal anfängt bergab zu gehen, beginnt die Haut um das Schienbein zu spannen. Sie wird rot und empfindlich, obwohl das Ödem zurückgeht. OK! - gehst wieder zum Biomechaniker, wartest in überfüllten Räumen, machst Bluttest, Zuckertest, EKG und hörst nach einer weiteren Wartezeit: es handelt sich um einen Rotlauf! Das assoziiert zu sehr mit Schwein. Wundrose klingt besser. Irgendwelche Streptokokken sind durch eine Wunde oder einen Haarriss eingetreten und vermehren sich fleißig. Sie haben es leicht. Der Körper ist angeblich durch das Ödem anfällig, dass wegen der Medikamente kam damit es mit der Luftpumpe halbwegs funktioniert, weil das Herz überfordert wird. Vorbei ist's mit der Widerstandskraft, auf die man sich so viele Jahrzehnte verließ.
Eigentlich müsste man trotzdem zufrieden sein. Andere liegen mit Rotlauf im Krankenhaus bei 40 Grad Fieber am Tropf. Ganz lässt einen die Biomaschine doch noch nicht hängen.
Nun gibt es die notwendige Antibiotikakeule gegen die lästigen Streptokokken. Da darf man sich glücklich schätzen, keine Penicilinallergie zu haben. Ein wenig Müdigkeit wird sich einstellen, doch das schafften bereits andere Medikamente. Also nichts neues.
Die Entzündung kann Lympfbahnen verlegen. Da muss ebenfalls ein Medikament her. Der verschriebene Blutverdünner gegen Thrombosen hilft nur arteriell. Gerinnsel im venösen Kreislauf verhindern wieder Fertigspritzen zur täglichen Selbsinjektion in die Bauchdecke.

Haben wir was vergessen? Die Medikamente wirken gegenseitig und können so manche Überraschung bringen. Ach ja! - dann brauchen wir noch was zur Magenschonung wegen der Medikamente, und ... die Leber muss auch mehr abbauen. Sie benötigt Medikamente zur Unterstützung. Was ist mit der Blutreinigung? Ist auf die Niere ebenfalls zu achten? Wie war das noch mit Lunge und Herz? Denken sie es reicht?

Damit dieser Artikel nicht falsch verstanden wird. Ärzten gebührt meine Hochachtung.
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Re: UnARTige Anekdoten aus Vergangenheit und Gegenwart

Neuer Beitragvon UnART am Mittwoch 19. November 2008, 02:46

Klo-Gedanken am Welt-Toiletten-Tag

>Ein Schüler folgt längere Zeit seinem Zen-Meister, ohne eine Aufgabe oder Unterweisung zu bekommen und frägt diesen, wann er denn zu unterrichten beginne.
„Ich unterrichte gerade“, meint dieser.
„Was ist besonderes daran, wenn du isst? Isst nicht jeder Mensch?“ erkundigt sich der Schüler erstaunt.
„Wenn ich esse, esse ich nur“, kommt die Antwort.<
Alle Sinne, Empfindungen, Gedanken, die ganze Konzentration ist gebündelt auf die momentane Tätigkeit.
Doch Essen ist Vorbereitung und Voraussetzung für die Notdurft. Nun darf man sich die Klo-Erlebnisse eines Zen-Meisters vorstellen. Ob er dabei seinen Schüler zum Unterricht mit nimmt bleibt fraglich.

„Zivilisierte“ Westler stehen diesem Thema schizophren gegenüber - Aufgespaltet zwischen Bedürfnisbefriedigung, Erleichterung, Wohltat, Genuss, wie den Tabus um fäkale Tätigkeiten und deren Produkte. Dennoch sind sittliche Schranken unserer Lusterlebnisse im Vulgären längst gebrochen. Amerikanisches Englisch gebraucht „Shit“ und „Fuck“ überaus häufig und in unsere europäische Literatur fand „Scheiß“ und „ficken“ längst Einzug.

Wir Europäer genießen die Begebenheiten am Klo, jedoch nicht wie ein Guru „NUR“!
Wir sind nicht gewohnt, in der Abgeschiedenheit, des Eins-Seins, nur zu sein. Manche von uns lesen und andere denken dabei.
Wer denkt philosophiert bereits, und so entstand die Klo-Philosophie. Aus der Philosophie entwickelten sich wieder verifizierbare Wissenschaften, die gedankliche Weltanschauungen zurückdrängten. Doch tatsächlich sitzen wir heute in einem Käfig der Erkenntnisse, die eine neue Philosophie benötigen. Einst war es Einstein, der die Wissenschaft auf den Kopf stellte und heute ist längst Zeit für einen „Zweistein“. Am Klo könnte ein neues Weltbild geboren werden.

Viele ergeben sich am Klo weit profaneren Gedanken, wie ein Bekannter, der mittlerweile nicht gut auf mich zu sprechen ist. Der spätberufene Historiker mit politischen, städtischen und sozialen Belangen kam auf dem „Örtchen“ zwar nicht zu einem Heureka-Schrei, wie der griechische Archimedes (Physiker 285-212 v.Chr.), trotzdem reichte es zu einem Aha-Erlebnis.
Er stellte fest: Bei der großen Notdurft entleert sich gleichzeitig die gefüllte Blase. Die hintere Entleerung löst synchron die vordere aus. Ob es ihm auch umgekehrt gelang, darüber hüllt er sich in Schweigen.
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Re: UnARTige Anekdoten aus Vergangenheit und Gegenwart

Neuer Beitragvon UnART am Sonntag 8. Mai 2011, 20:18

Die Heilige Messe

Der letzte Kirchenbesuch ist bereits lange her. Gezwungenermaßen drücke ich die Kirchenbank anlässlich des Ablebens eines nahen Angehörigen. Messrituale hindern leider stark die Trauer, aber vermutlich soll es für manche so besser sein. Bei anderen Begräbnissen mit Erwartung meiner Anteilnahme überspringe ich die Sterbemesse und geselle mich zur Bestattung am Friedhof, zur offiziellen Verabschiedung und Kondolenz.
Im Kindesalter gehörte der sonntägige Messbesuch zum Alltag und Fleisch-, Feuerweihe oder Christmette zur familiären Tradition. Die Beichte vermittelte tatsächlich eine Erleichterung, wobei ich mich jetzt allerdings frage, warum einem Priester zu beichten ist und nicht Betroffenen? Ein Geständnis der Unzucht mit Geschlechtsteilen mag aus heutiger Sicht vielleicht in dem einen oder anderen Geistlichen Gefühle erweckt haben, die den erleichterten.
Ansonsten herrschte in meiner Familie eine freizügige Atmosphäre ohne maßgebliche Zwänge. So verkam die Kirche bereits im Jugendenalter zum gesellschaftlichen Usus. Die Firmung mit 13 Jahren wurde vom Monsignore in der Religionsstunde vor der versammelten Klasse besprochen. Da mein Firmpate mit Vornamen gleich wie mein Taufpate hieß, forderte er einen anderen Namen ein. Nach kurzer Überlegung entschloss ich mich dem Monsignore eine Freude zu bereiten und entschied mich für Petrus, den Menschenfischer. Jesus, wie heute Toni Polster Sohn und andere heißen, wäre damals in unseren Breiten als Blasphemie gewertet worden. Mit dem Namen „Heinz, Franz, Petrus“ hatte ich dennoch die Lacher hinter mir. Euer UnART ist seit damals ein HFP.
Später nahm ich teil an den Treffen der Katholischen Jungschar, dabei interessierte mich weniger die kirchliche Religion, sondern mehr die teils feschen Mädchen, die sich teilweise wie Eisblöcke gaben. Über manchen Vulkan dahinter will ich mich nicht weiter auslassen, selbst wenn einige aus der Jungschar die Gruppe wegen dem Skandal intimer Zweisammkeiten verlassen mussten. Gar schlimm traf es die allerdings nicht, denn neben der Jungschar besuchten einige von uns die Treffen der Gewerkschaftsjugend mit sexuell aufgeschlosserenen Mädeln. Im Vergleich bleibt die Wertung unentschieden, besser bemerkt, die Vorzüge der Mädchen waren individuell nicht zu vergleichen und die Erfolgsquote bei beiden Gruppierungen etwa gleich hoch.
Obwohl weder tiefgläubig, noch traditionell eng verwoben, spielten wir, von meiner ersten Band, die Jazzmessen, wozu Fundamentalchristen nur die Köpfe beutelten. Die tatsächliche Revolution vollzog in den 60gern jedoch unser junger Pfarrer, der in gottlos werdender Zeit im Stande war, die Kirche mit Frauen zu füllen. Er drehte sich vom Altar weg und wandte sich den Gläubigen zu.
Folgend wurden meiner Kirchenbesuche immer weniger. Als Teens bersuchten wir nach durchzechter Nacht die Frühmesse, um nicht im Morgengrauen daheim rein zupoltern. Die abverlangen Leibesübungen wurden allerdings lästig. Konform hin zuknieen, dann wieder aufzustehen und danach wieder setzen, verlangte einigen guten Willen. Andererseits reizten die kollektiven Bewegungsabläufe. Setzten wir bewusst die falsche Leibesübung, indem wir knieten statt saßen, kam es zur Nachahmung anderer, was einige total verwirrte.
Mit den folgenden Stadtpfarrern pflegte ich ein gutes, teilweise freundschaftliches Verhältnis. Nach anfänglichen Versuchen mich als Diakon zu gewinnen, versuchte keiner mehr den anderen zu bekehren. Lediglich drei Semester Religionspädagogik verlangten noch einige Dispute ab. Auch mit meinen Freunden bei den Evangelisten akzeptieren wir uns gegenseitig.

Joseph Aloisius Ratzinger als Papst Benedikt XVI. wendet seine Kirche wieder vom Gläubigen ab, Pfarrer drehen sich dem Altar zu und zeigen der Kirchengemeinde ihren verlängerten Rücken. Umso überraschender war deshalb heute der Feldkirchner Stadtpfarrer bei der Fernsehmesse aus der kleinen alten Wehrkirche in Tiffen.
Bild
... das kleine Dorf Tiffen (199 Einw.) zwischen Feldkirchen und Steindorf an der einstigen norischen Eisenstraße; es schmiegt sich malerisch um einen steilen Felsabsturz, der von der alten Wehrkirche gekrönt ist. Der Name, im Jahre 1050 „Tyven“ geschrieben, ist keltischen oder vorillyrischen Ursprungs. In römischer Zeit war der Ort Poststation.
An der Stelle der heutigen Pfarrkirche stand in vorgeschichtlicher Zeit eine keltische Kultstätte, vom 2. bis zum 4. Jahrhundert ein Jupitertempel,...
http://de.wikipedia.org/wiki/Tiffen

Der Pfarrer stand mit dem Gesicht zu den Messeteilnehmern. Sogar sein Diakon, von dem ich mir heute kaum noch vorstellen kann, dass er jahrelang als Bürgermeister die Heimatstadt leitete, stand hinter einem Tisch den Messebesuchern zugewandt. Wie ich diesen Bürgermeister längere Zeit unter mir sitzen ließ, wird eine andere Geschichte.
Bis auf die üblichen vordrängenden Verdächtigen, wie LH Dörfler und einige andere kommunale Politiker, war das einheimische Kirchenvolk dem Ereignis angemessen gestattert, die Herren in schneidigen Schützen- und Feuerwehruniformen, der Rest und die Frauen in Tracht. Anders als bei protzigen Kirchen-Events gestalten sie die Messe noch mit und singen selbst. Dem Bodenpersonalvertreter, Monsignore Luxbacher gebührt Lob für seine Natürlichkeit mit dem Anflug eines verschmitzten Lächlers hinter dem andächtigen Gesicht. Alles im allem ist die Fernsehmesse gelungen, sei auch das eine oder andere im Kontext zu debattieren, was eine verschworene Glaubensgemeinde jedoch kaum tangieren dürfte. Beim kollektiven Glaubensbekenntnis zieht es mir jedoch nach wie vor die Schuhe aus. Meines Erachtens ist sich der überwiegende Teil nicht bewusst, was er da bekennt.

Glaubensbekenntnis:
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des Vaters; von dort wird er wiederkommen zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige katholische Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen

Forumlinks zum Thema Tiffen:
Der Sauschneider und der Pfarrer
Die Semmelträgerin
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