von xenia am Samstag 29. Januar 2011, 15:13
"Kurier" vom 29.01.2011
Ressort: Innenpolitik
Seite: 4
Ausgabe: Wi,Abend,Länder,Bgld,Morgen
Kärnten zahlt für jedes Kind sechs Mal so viel wie Salzburg
Förderung - Das Land Kärnten fördert jedes Kind mit 125 Euro, Oberösterreich zahlt pro Kind 43 Euro, das Land Salzburg nur 21 Euro - zusätzlich zu den Familienförderungen des Bundes wie Kinderbeihilfe oder Kindergeld.
Diese Zahlen aus einem aktuellen Rechungshof-Rohbericht belegen, dass in Österreich nicht jedes Kind gleich viel wert ist, sondern die Landesgrenzen über Förderhöhen entscheiden. Kärnten zahlt pro Kind sechs Mal so viel an direkten Förderungen wie Salzburg.
Wirtschafts- und Familienminister Reinhold Mitterlehner stören die Ungleichbehandlung und die Doppelförderungen. Er strebt eine Harmonisierung der Leistungen an. Im Februar will er mit den Familienreferenten der Länder reden.
Kritik
Die Länder protestieren schon jetzt. Besonders verärgert ist der Kärntner Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK). Für ihn ist der Bericht des Rechnungshofes eine Bestätigung. "Dem Familienminister ist scheinbar nicht bekannt, dass viele Familien jedes Monat ohne zusätzliche Unterstützung nicht auskommen", wettert Dörfler im KURIER-Gespräch. Dass es sich um Doppelförderungen handle, lässt er nicht gelten. "Der Bund hat kein Babygeld." Wie berichtet, zahlt Kärnten für Neugeborene 500 Euro, zusätzlich gibt es Schulstartgeld, Jugendstartgeld und Müttergeld.
Laut Rechnungshof, der drei Bundesländer verglichen hat, verteilt Kärnten jährlich 14,83 Millionen Euro direkte Geldleistungen an die Familien, Oberösterreich 13,34 Millionen und Salzburg nur 2,4 Millionen Euro.
Vergleich
Mitterlehner hat sich auch den Ärger des katholischen Familienverbandes zugezogen. Präsident Clemens Steindl findet es "eigenartig, dass sich ein Familienminister darum kümmert, wie man Familienleistungen kürzen kann, statt sich darum zu kümmern, wie man die finanzielle Situation von Eltern und Kindern verbessert".
Steindl verweist auf eine OECD-Studie aus dem Jahr 2005 wonach Österreich bei den Familienförderungen nur im europäischen Mittelfeld liege. Frankreich, Großbritannien und Deutschland wenden demnach zwischen 3,8 und 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Familienleistungen auf. Österreich nur 2,8 Prozent.
Copyrighthinweis: © Kurier - Wien, 2011.
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