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Aktuelles brisant verpackt.
von UnART am Montag 2. November 2009, 15:38
Allerheiligen – Gestern am Allerheiligentag traten sie sich am Friedhof wieder gegenseitig auf die Füße – jene, die nur zu traditionellen Anlässen auf den Friedhof und in die Kirche finden; jene, die protzend ihre Robe und kosmetischen Eingriffe der Allgemeinheit zu solchen Anlässen vorführen; jene, die sich keine Verwahrlosung des Totenkults nachsagen lassen, mit jenen, die tatsächlich noch in religiöser Totenverehrung verharren. Sie alle stehen unbequem auf Grabeinfassungen, oder treten in frischbepflanzte Gräber, weil Durchgänge gerammelt voll sind, und leiern einem Vorbeter etwas nach.  Doch wen „bebeten“ sie zu Allerheiligen: Heilige wie Kaiser Konstantin, der im angehenden 4. Jhdt. das Christentum dem Römischen Glauben gleichstellte. Ob er selbst je Christ wurde gilt nicht als gesichert. Sicher ist nur, dass Konstantin für den eigenen Machterhalt viele seiner engsten Familienmitglieder ermordete. - Heilige wie Karl der Große, auch genannt der Sachsenschlächter. - Selige wie seine Kaiserliche Betrunkenheit (sic) Karl, unter dessen Führung die österreichische Armee am Isonzo und am Piave Giftgas eingesetzte? Eines ist diesen „Heiligen“ gemeinsam. Sie vollbringen immer noch Wunder. Ihre Heiligkeit erzeugt Übelsein. Allerseelen – erst am Tag nach Allerheiligen gedenkt man aller verstorbenen Seelen. Aber am Friedhof wurde es bis auf ein paar verirrte lebende Seelen ruhig , Grablichter vom Vortag zeigen gewesene Aktivität und frische Grabbepflanzung trotzt noch einige Tage der Jahreszeit, bis der nächste Frost ihre Köpfe hängen lässt. Die Pflicht ist getan. Das Grab beschwert ein gewichtiger Stein und Grabkreuze wirken, als hätte man sie tief hinunter, mitten durch das Herz des Verstorbenen getrieben, damit dieser nie mehr auferstehe. Allerseelen ist kein kirchlicher Feiertag. Lediglich Schüler haben frei, bis auf Lehrlinge, welche am schulfreien Tag beim Lehrherrn zu arbeiten haben. Tag der Toten – wie bei vielen kirchlichen Festen wurde einem heidnischen Brauch ein christliches Mäntelchen übergezogen. Kelten, Germanen, indigene Völker, alle ehrten ihre Toten, die um diese Zeit angeblich auf Besuch kommen. Hausaltäre wurden gebaut, Essen für Verstorbene auf den Tisch gestellt – Gesang und Gedenken sollte Verblichene zusätzlich milde stimmen. Alleine darauf verließ man sich nicht. Zur Sicherheit verkleidet man sich schauderhaft und stellt grausliche Bildnisse auf, um jenseitige Besucher abzuschrecken. Als bekannteste Bräuche blieben Halloween und der Dia de Muertos erhalten. Halloween soll auf das keltisch-angelsächsische Fest des Totengottes ‚Samhain‘ zurückgehen. Der Brauch fand über den großen Teich nach Amerika, wo er unverdaut amerikanisiert wurde, und schwappte kommerzialisiert nach Europa zurück, wo er zum jährlich wiederkehrenden Event verkam. Día de Muertos (Fadentitel: Tag der Toten), vom 31. Oktober bis zum 2. November, ist einer der wichtigsten mexikanischen Feiertage geblieben. Kulturell verdrängt er den Tod nicht auf den Friedhof oder in ein Jenseits, sondern begreift ihn ironisch als Teil des Lebens. In allen möglichen Alltagssituationen findet er seine Darstellung. Nach altmexikanischem Glauben kommen die Toten einmal im Jahr zum Ende der Erntezeit zu Besuch aus dem Jenseits und feiern gemeinsam mit den Lebenden ein fröhliches Wiedersehen mit Musik, Tanz und gutem Essen. Der Día de los Muertos ist keine Trauerveranstaltung, sondern ein farbenprächtiges Volksfest. Zürückkommend auf unseren Umgang mit dem Tod zitiere ich einen Volksspruch: Schenkt Blumen während des Lebens, auf Gräbern blühen sie vergebens. Dies betrifft sogar den Umgang mit uns selbst. Schenken wir uns selbst Blumen, damit wir befreit auf andere zuzugehen. Nicht jeden muss man gernhaben, selbst wenn die Konvention es gebietet. Die wir mögen finden Heimat in unseren Herzen – egal ob sie leben oder tot sind. Selbst für Feinde bleibt ein kleines Platzerl reserviert. 091102 © http://www.unart-forum.com
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von f.art reloaded am Montag 2. November 2009, 15:52
Quasi ein Tag der posthum Aufgewerteten zum Gedenken, denen sich auch die (Ex-)Liebsten anschliessen dürfen. Schön, wenn man nicht jeden Tag an Vergangenes erinnert werden muss/will.
Der alte Indianer sitzt am Fluss und wartet, bis die Leichen seiner Feinde vorübertreiben… Das Aufdecken von Kriegsverbrechen ist kein Verbrechen: Free Bradley Manning
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von UnART am Dienstag 3. November 2009, 14:02
Zu „posthum“
Die Zeit malt anders als die Erinnerung. Die Erinnerung glättet die alten Falten, die Zeit malt neue hinzu. Otto Ludwig,
( °) ( °) dada.
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von OHB am Dienstag 3. November 2009, 15:03
ich behalte mir die verstorbenen als lebend in erinnerung und ehre sie in mir daher keine gräberbesuche 
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von UnART am Dienstag 1. November 2011, 13:25
Warum versammeln sich die Übriggebliebenen zum Festtag der Heiligen an den Gräbern ihrer Vorfahren? Gesegnet alle Heiligen.
( °) ( °) dada.
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von OHB am Dienstag 1. November 2011, 14:25
UnART hat geschrieben:Warum versammeln sich die Übriggebliebenen zum Festtag der Heiligen an den Gräbern ihrer Vorfahren? Gesegnet alle Heiligen. Am Tag nach Allerheiligen begeht die römisch-katholische Kirche den Allerseelentag, an dem der Armen Seelen im Fegefeuer gedacht wird. Vielerorts wird die damit verbundene Gräbersegnung bereits am Nachmittag von Allerheiligen vorgenommen. Damit verbunden ist der Brauch, die Gräber vor allem mit Lichtern besonders zu schmückenund um danach endlich den allerheiligenstriezel zu verspeisen zum nachmittagskaffee
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von UnART am Dienstag 1. November 2011, 15:14
OHB hat geschrieben:... und um danach endlich den allerheiligenstriezel zu verspeisen zum nachmittagskaffee
( °) ( °) dada.
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von majestix am Freitag 4. November 2011, 21:46
OHB hat geschrieben: und um danach endlich den allerheiligenstriezel zu verspeisen zum nachmittagskaffee
geht´s noch ein wenig profaner? aber es stimmt: der besuch von gräbern ist ein gesellschaftliches ritual, wo der sinn gar nicht mehr im vordergrund steht. des g´hert si hoit so. ich besuche keine gräber, denke aber oft an die verstorbenen, die mir lieb und wertvoll waren. das zählt möglicherweise mehr, als gesellschaftliche normen.
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von OHB am Freitag 4. November 2011, 22:39
majestix hat geschrieben:OHB hat geschrieben: und um danach endlich den allerheiligenstriezel zu verspeisen zum nachmittagskaffee
geht´s noch ein wenig profaner? aber es stimmt: der besuch von gräbern ist ein gesellschaftliches ritual, wo der sinn gar nicht mehr im vordergrund steht. des g´hert si hoit so. ich besuche keine gräber, denke aber oft an die verstorbenen, die mir lieb und wertvoll waren. das zählt möglicherweise mehr, als gesellschaftliche normen. du sagsts/schreibst es
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von majestix am Samstag 5. November 2011, 20:47
OHB hat geschrieben: du sagsts/schreibst es
Mit manchen gesellschaftlichen Normen stehe ich ohnehin auf Kriegsfuß. Wenn ich nur einmal im Jahr meine Mutter besuche, nur weil Muttertag ist, dann kann ich es auch ganz bleiben lassen. Und wenn ich beim Begräbnis eines Verwandten, der mit mir seit Jahren keinen Kontakt mehr gepflogen hat, Trauer heucheln soll, verweigere ich. Jemandem die "letzte Ehre" zu gewähren, setzt einen ehrenvollen Umgang miteinander zu Lebzeiten voraus. Allerheiligen, Allerseelen sind vom germanischen Totenkult übernommen, und sollten in einer modernen Kirche keinen Platz mehr haben.
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von smART am Samstag 5. November 2011, 22:21
majestix hat geschrieben:OHB hat geschrieben: du sagsts/schreibst es
Mit manchen gesellschaftlichen Normen stehe ich ohnehin auf Kriegsfuß. Wenn ich nur einmal im Jahr meine Mutter besuche, nur weil Muttertag ist, dann kann ich es auch ganz bleiben lassen. Und wenn ich beim Begräbnis eines Verwandten, der mit mir seit Jahren keinen Kontakt mehr gepflogen hat, Trauer heucheln soll, verweigere ich. Jemandem die "letzte Ehre" zu gewähren, setzt einen ehrenvollen Umgang miteinander zu Lebzeiten voraus. Allerheiligen, Allerseelen sind vom germanischen Totenkult übernommen, und sollten in einer modernen Kirche keinen Platz mehr haben. Ja schon, aber das sollte, als am wenigsten schädlich, das am geringsten zu Bekrittelnde sein!
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von majestix am Samstag 5. November 2011, 22:53
smART hat geschrieben: Ja schon, aber das sollte, als am wenigsten schädlich, das am geringsten zu Bekrittelnde sein!
Wie wär´s mit einem neuen Thread "Neue Regeln braucht die Kirche"? Mich stört nun einmal das Festhalten an Überkommenem, dessen Sinn und Bedeutung heute niemand mehr kennt, und nur Rituale befolgt werden, weil es die gesellschaftliche Konvention so vorschreibt. Regelmäßiges Frühstück, Mittag- und Abendessen sind als gesellschaftliche Norm mittlerweile Gewohnheitspflicht, die Folgen sind bekannt. Dabei sollte man nur dann essen, wenn man hungrig ist - und nur so viel, bis man nicht mehr hungrig ist.
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von OHB am Samstag 5. November 2011, 22:54
majestix hat geschrieben:smART hat geschrieben: Ja schon, aber das sollte, als am wenigsten schädlich, das am geringsten zu Bekrittelnde sein!
Wie wär´s mit einem neuen Thread "Neue Regeln braucht die Kirche"? Mich stört nun einmal das Festhalten an Überkommenem, dessen Sinn und Bedeutung heute niemand mehr kennt, und nur Rituale befolgt werden, weil es die gesellschaftliche Konvention so vorschreibt. Regelmäßiges Frühstück, Mittag- und Abendessen sind als gesellschaftliche Norm mittlerweile Gewohnheitspflicht, die Folgen sind bekannt. Dabei sollte man nur dann essen, wenn man hungrig ist - und nur so viel, bis man nicht mehr hungrig ist.
und langsam essen da das sättigungsgefühl sich meist erst nach 20 minuten einstellt 
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von smART am Samstag 5. November 2011, 23:05
majestix hat geschrieben:smART hat geschrieben: Ja schon, aber das sollte, als am wenigsten schädlich, das am geringsten zu Bekrittelnde sein!
Wie wär´s mit einem neuen Thread "Neue Regeln braucht die Kirche"? Mich stört nun einmal das Festhalten an Überkommenem, dessen Sinn und Bedeutung heute niemand mehr kennt, und nur Rituale befolgt werden, weil es die gesellschaftliche Konvention so vorschreibt. Regelmäßiges Frühstück, Mittag- und Abendessen sind als gesellschaftliche Norm mittlerweile Gewohnheitspflicht, die Folgen sind bekannt. Dabei sollte man nur dann essen, wenn man hungrig ist - und nur so viel, bis man nicht mehr hungrig ist.
...............weil es die gesellschaftliche Konvention so vorschreibt. Häuptling klickt es bei Dir verstehend ( wegen einer gewissen Ermunterung) wenn ich Dir die Zahl 7 Milliarden serviere?
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