xenia hat geschrieben:Nahost-Konflikt: Genetiker auf der Spur nach Gemeinsamkeiten - forum39/topic16152-15.html#p359190
Der dreizehnte Stamm
Vor etwa 30 Jahren las ich „Der dreizehnte Stamm“ von Arthur Koestler. Das Buch enthielt Sprengstoff für die Identität des Judentums:
Damit dürfte Koestler einige Unruhe unter den 14,2 Millionen Juden von Tel Aviv bis New York verbreiten. Er durchtrennt nämlich jene nationalreligiöse Nabelschnur, die gerade Millionen von Juden in der Diaspora trotz aller Verfolgung als ein Volk besonderer Art mit den Abkömmlingen Abrahams, den zwölf Stämmen der Bibel, verbindet, also ihre Identität als "Auserwähltes Volk" gewährleistet. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41213261.html
These: Die Chasaren fürchteten mit der Annahme der Lehre Mohammeds unter den religionspolitischen Einfluß von Bagdad mit der des Christentums unter den von Byzanz zu geraten. Also wählten sie die dritte Kraft, den Judaismus, der keine weltliche Macht besaß und somit eine gewisse Unabhängigkeit des Chasaren-Reiches garantierte. Gleichzeitig füllten sie das Vakuum, welches vertriebene, über die damalige Welt versprengte Juden hinterließen. Dass ab dem 13. Jhdt. niemand mehr weiß, wo das Volk der Chasaren verblieb, könnte diese Behauptung untermauern.
Köstlers These sorgte 1977 für Aufregung und scharfe Repliken von Juden. Gewisse Kreise reagierten mit Hohn und Spott, was postwendend dem Thema den Antisemitismus-Vorwurf einbrachte – das Rohrstaberl mit dem seit den Wirren (Verbrechen) des II. Weltkriegs das allein wahre Geschichtsbild eingebläut wird. 2010 sind wissenschaftlichen Methoden ausgereifter, doch sonst änderte sich wenig.
... die Entdeckung der engen genetischen Nähe aschkenasischer Juden zu Palästinensern und jemenitischen Juden wurde nicht ohne gewisse Schadenfreude aufgenommen. Noch im Vorjahr hatte Professor Shlomo Zand von der Tel Aviver Universität behauptet, europäische Juden hätten ihre genetischen Wurzeln im Kaukasus. Demnach existiere das jüdische Volk genetisch nicht. Zand wollte zeigen, dass die Staatsgründung Israels nicht auf genetische Ursachen zu begründen ist. Eine Folgerung, die richtig ist. Auch wenn er sie auf falsche Thesen begründete. ...
http://kurier.at/nachrichten/2028895.php
Der dreizehnte Stamm (englischer Originaltitel The Thirteenth Tribe) ist ein 1976 erschienenes Sachbuch von Arthur Koestler, das sich populärwissenschaftlich mit der umstrittenen These beschäftigt, das östliche Judentum stamme vom Volk der Chasaren ab. Dieses bildete im frühen Mittelalter ein Reich in Südrussland und nahm, zumindest zum Teil, das Judentum als Religion an. Koestler bezieht sich auf Abraham N. Poliak.
Obwohl die These in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erregte, wurde sie von den etablierten Historikern abgelehnt. Auch neuere genetische Forschungen sprechen gegen einen nennenswerten Anteil an chasarischen Vorfahren unter den heute lebenden Aschkenasim.[1]
Viele Antizionisten und Antisemiten beriefen sich später auf Koestlers Werk, um die Legitimität des Staates Israel zu bestreiten.[2] Koestler selbst war sich der Gefahr des Missbrauchs durchaus bewusst und schrieb dazu: „Ob die Chromosomen seines Volkes nun die Gene der Chasaren oder solche semitischer, romanischer oder spanischer Herkunft enthalten, ist irrelevant und kann nicht das Existenzrecht Israels berühren – noch auch die moralische Verpflichtung jedes zivilisierten Menschen, ob Nichtjude oder Jude, dieses Recht zu verteidigen.“ ->Wikipedia
Links:
Nicht Abrahams Söhne - Rezension im Spiegel
Kein auserwähltes Volk?, Rezension von Klaus Harpprecht in "Die Zeit"
Chasaren-Reich: Das jüdische Atlantis, Artikel von Anne-Catherine Simon in "Die Presse"

