'Betteln' ist ein breiter Begriff. Schnorren, anpumpen, ansuchen, sind Synonyme, aber auch 'erflehen' zählt im weitesten dazu. Ironisch ausgedrückt bettelt (trotzt, fleht) manchmal wer durch unangepasstes Benehmen sogar nach einer Watsch'n. Euer UnART bettelt ums Ende seiner Schreibblockade. Worte sind ja da, doch wie ist die tägliche politische Realsatire zu toppen? Weltpolitische Umwälzungen, wie im arabischen Raum, lassen mich mit offenem Mund dastehen und kommender Entwicklung harren. Flüchtende Scharen von Migranten betteln um bessere Lebensbedingungen. Aber das wird noch eine andere Geschichte.
Wenden wir uns dem Betteln in Form von Almosen erflehen zu. Im 18. Jahrhundert schrieb der erste Redakteur der Züricher Zeitung, Johann Kaspar Riesbeck, ein Jurist, Schriftsteller, Schauspieler und Illuminat unter Pseudonym in „Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder zu Paris“: „Einen Dritteil der Einwohner machen privilegierte Bettler aus.“
In Indien war Betteln bis 1980 ein anerkannter Beruf. „Bettelmafias“, geheime Untergrundorganisationen, die Kinder kaufen oder entführen und zum Betteln zwingen, raubten die Anerkennung. Doch wir brauchen nicht so weit zu sehen, in Europa gibt es ebenfalls freizügig reisende „Bettelmafias“.
Der Kärntner Landtag beschloss, wie bereits andere Länder, ein Verbot des "aggressiven Bettelns". Worin liegt der Sinn? Schützenswerte Kinder betteln meist nicht aggressiv, sondern nützen das Kindchenschema bzw. sie werden dazu benutzt. Gegen sitzendes, stehendes, musizierenden oder gestaltenden Betteln hat die Bevölkerungsmehrheit nichts einzuwenden. Aggressives Betteln steht in Form von Belästigung bereits unter Strafandrohung. Hat ein Landtag nichts anderes zu tun, als sinnlose Verordnungen zu erlassen, dann wäre das EU-Parlament der geeignetere Rahmen.
Warum tun Landespolitiker(-parteien) also derartiges? Ein Teil der Bevölkerung bettelt direkt um neue Gesetze zu den bereits unüberschaubaren bestehenenden, mit all ihren Änderungen, gegenseitigen Bezugnahmen und Novellierungen. Rechte und Linke betteln aus unterschiedlichen Gründen nach Entmündigung, persönlicher und gesellschaftlicher Einschränkung - sie geben Selbstverantwortung und Freiheiten 'demokratisch' einer zunehmend totalitären Obrigkeit. Linke betteln um Overprotection - Eigenverantwortung, Rechte und Pflichten werden an den Staat delegiert. Rechten geht es um 'Law & Order', was andersartig ebenfalls zu Totalitarität führt.
Rufer nach Versorgung verhalten sich wie Weidevieh, deren Welt durch ein Gatter begrenzt wird. Solange das Gras grün ist, beschäftigt sich das Hirn nur mehr damit, in welcher Ecke die saftigsten Gräser wachsen. Ob es Bedarf nach Düngung gibt, oder die Zukunft heute zertrampelt wird, lässt man andere entscheiden. Rechte wieder lassen sich führen, sie 'geben ihr Hirn bei der Kassa ab', was jedoch in Form von Ideologie ebenso für Linke gilt.
Die letzte Zeit konnte ich viele Gespräche über Politik führen, welche hauptsächlich nur auf Nebenfronten stattfindet. Die Meinung eines Offiziers über die Wehrpflichtdebatte wird ein anders Thema. Eine pensionierte Lehrerin, die übers Rote Kreuz Ablauflebensmittel für Bedürftige verteilt, konnte ich mit dem Bürgermeister zusammenbringen, welcher Ablaufartikel einer weiteren Kaufhauskette in Aussicht stellte. Erschreckend das Ausmaß der neuen Armut! Etwa 60 Familien drängen sich mit Einkommensnachweis einmal die Woche in einer Kleinstadt, eine Stunde lang um Gratis-Lebensmittel. Schmarotzer mit ausreichendem Einkommen, die alle Hintertüren eines Sozialstaates ausnützen, werden abgewiesen. Dass einige versuchten, die Almosen zu verkaufen, ist wohl ebenfalls ein Teil des menschlichen Wesens.
Manche Politiker geben zu, der Versorgungsstaat ist in seiner jetzigen Form nicht aufrechtzuerhalten, weder die sozialen Leistungen noch die Renten. Doch gibt es Forderungen der Bürger, schielen sie auf ihre Wiederwahl, was allzu verständlich ist. Ein Sozialstaat ist so nicht aufrechtzuerhalten und wird immer mehr an NGOs ausgelagert. Spenden wir doch lieber gleich direkt an Bedürftige. Morgen könnten es bereits wir sein, die bettelnd auf der Straße stehen, die auf Almosen angewiesen sind, falls wir nicht, wie viele heute schon, uns schämen es offen zu zeigen.



