… Morgen schreiben wir 2012. Samoa feierte es bereits vor Stunden. Die Insel wechselte die Seiten und sprang mit Australien in eine Zeitzone, wofür sie den 30. Dezember 2011 ausfallen ließen. An diesem Tag Geborene Samoaner feiern ihren Geburtstag erst wieder 2012, bleiben sie damit ein Jahr jünger? In unserer Zeitrechnung feiern einige Menschen gar nur alle vier Jahre ihren Geburtstag und zwar im 'annus bissextus'. Bevor dies wer voll Erwartung als 'anus bisextus' interpretiert, es handelt sich um 2012, einem Schaltjahr mit Embolismus, bei dem im Februar ein 29. Tag eingeschoben wird.
Mit den Zeitzonen einer sich drehenden Erdkugel relativiert sich die Zeit, für Kosmonauten der Weltraumstation findet heute der Jahreswechsel sogar 12 Mal statt.
Kalender: Bis in die Antike rechneten verschiedene Kulturen in Mondkalendern. Ägypter zählten das Jahr bereits mit 365 Tagen. Schon im Jahr 238 v. Chr. ordnete Ptolemaios III. das Schaltjahr im 4 Jahreszyklus an. Mayas rechneten in eigenen Zeitzyklen. Am 21. Dezember 2012 geht die Welt nicht unter, dem männlichen Zeitalter folgt laut Mayas ein männlich/weibliches, schreibt das populärwissenschaftliche Magazin PM. Azteken wieder schalteten im 52-Jahres-Zyklus 13 „nemontemi“ (Nichttage). Die alte Kultur der Chinesen kennt einen traditionell lunisolaren Kalender.
Religionen zählen Jahre ebenfalls unterschiedlich. Juden rechnen mit Lunisolarkalender, Moslems behelfen sich mit einem Lunarkalender.
Bei Ägyptern und Mayas handelt es sich um astronomische Kalender, während sich der Rest hauptsächlich am Kreislauf der Sonne orientiert.
Etwas bleibt allen Kalendern gemein, der unterschiedliche Jahresbeginn ist kulturell oder religiös rein willkürlich bestimmt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum wir den Jahreswechsel laut Martina Salomon in einem
Zustand kollektiver Umnachtung feiern. So sehr das Treiben diese Aussage auch berechtigt: feiert den Jahresbeginn in vollen Zügen, vertreibt mit Knallerei im Brauchtum die Geister – passt mir nur ein wenig auf Götter und Tiere auf und achtet, dass ihr nicht wie Mundel euren Nachbarn aufs Korn nehmt. Ein paar Stunden Luftverschmutzung werden wir sicher noch aushalten.
Der Jahreswechsel ist allerdings auch eine Zeit der Besinnung. Blicken wir, wie der zweigesichtige Janus, mit dem alten Gesicht zurück und mit dem jungen erwartungsvoll in die Zukunft. Dabei braucht man ja nicht, wie Gott Janus mit Stab und Schüssel, die Erbsen zählen. Bleiben wir uns gegenüber gnädig, ohne zu große Anforderungen an die Zukunft zu stellen. Nichterfüllung verhindert Eigenliebe, welche Voraussetzung für Toleranz und Liebe im Allgemeinen bleibt.
In diesem Sinne wünsche ich ein gutes Neues Jahr und Gesundheit, bei allen unseren kleinen Macken und Unzulänglichkeiten. Bleiben wir Menschen, damit 2012 uns nicht enttäuscht.




