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Die Welt des totalen Elativs

Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon Herr Fuchs am Samstag 11. September 2010, 13:28

Ehrwürdige Mitglieder,

schon lange wissen wir, dass unsere Gesellschaft; auch die österreichische Gesellschaft; am Ende ist. Von den Dingen der Politik, die den ausschließlichen Auftrag haben, unseren Untergang zu verwalten und in geordnete Bahnen zu lenken, merkt man dies besonders an der Sprache.

Ist Ihnen einmal aufgefallen, dass vor allen Dingen junge Menschen aber auch zum Teil alte nicht mehr in der Lage sind, ihre Wertschätzung einer Sache gegenüber vernünftig auszudrücken?

Betrachten wir als Beispiel einmal die Pseudo-Talentschauen der deutschen Fernsehlandschaft. In einer Musiksendung trällert ein junger Mensch recht angenehm, was bei den Schiedsrichtern zu folgender Aussage führt:

"Dein Gesang ist absolut Mega, super, Titten, obergeil usw. gewesen."

Von den Begriffen einmal abgesehen, überschlagen sich die Preisrichter mit Elativ über Elativ, das geht sogar so weit, dass es kaum noch Begrifflichkeiten gibt, um einen wirklich überdurchschnittlichen Sänger angemessen zu würdigen.

Der Gebrauch des Elativs wird dadurch so verwässert, dass die oben genannte Äußerung eigentlich nicht mehr bedeutet, als dass der Gesang etwas besser als gut war, um jetzt einmal den Begriff sehr gut zu vermeiden, der ebenfalls einen Elativ darstellt.

Eine Äußerung wie: "Du hast sehr gut gesungen", bedeutet allenfalls noch, dass der Sänger eine durchschnittliche Leistung abgelegt hat. Eine Aussage wie: " Du hast gut gesungen", kann schon als anstößig empfunden werden und hat vor Gericht oftmals ein Bußgeld in vierstelliger Höhe zur Folge.

Und genau das können Sie in allen Teilen der Gesellschaft beobachten: Sehr schöne Dinge werden mit völlig übertriebenen Elativen bedacht, was schon schrecklich nervig sein kann.

Warum tuen Menschen so etwas? Wer hat eine Idee oder kann es erklären? Ist es vielleicht dieses krankhafte Suchen nach Grenzen, die das Elternhaus nicht mehr bietet?

Freundlich
Herr Fuchs
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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon UnART am Samstag 11. September 2010, 13:42

Das haben sie gut geschrieben, Herr Fuchs.
Aber verraten sie uns mal: Wer ist dieser Elativ?
( °) ( °) dada.
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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon OHB am Samstag 11. September 2010, 13:48

UnART hat geschrieben:Das haben sie gut geschrieben, Herr Fuchs.
Aber verraten sie uns mal: Wer ist dieser Elativ?


wird vermutlich aus kasus kommen :twink:
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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon UnART am Samstag 11. September 2010, 14:20

Bei meinen Recherchen stieß ich auf die Urform Elativo, was romanische Wurzeln vermuten lässt.
Aber es gibt allerdings auch im deutschen Sprachraum einen HauZhin ElatiV.

http://www.youtube.com/watch?v=BRvblgnFX5c

Bei ihrem Kasus dürfte es sich eher um altjapanische Suffixe handeln.
( °) ( °) dada.
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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon xenia am Samstag 11. September 2010, 15:22

Elativ
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Dieser Artikel behandelt eine Steigerungerungsform des Adjektivs. Für den Elativ als Kasus siehe Elativ (Kasus).

Der Elativ ist eine Steigerungsform des Adjektivs. Er ist im Deutschen entweder formal mit dem Superlativ identisch oder wird mittels Vorsilben oder einer dem Adjektiv vorangestellten Gradpartikel gebildet. Mit dem auch „absoluter Superlativ“ genannten Elativ wird außerhalb eines Vergleichs ein sehr hoher Grad angezeigt, während der Superlativ das Beschriebene immer relativ, also im Vergleich zu anderen, heraushebt.

* Superlativ: „Wir arbeiten mit den modernsten Maschinen ihrer Art.“ (vergleichend)
* Elativ: „Wir arbeiten mit modernsten Maschinen.“ (Unabhängig von anderen Maschinen sind die Maschinen herausragend.)
* Elativ (Partikel): „Wir arbeiten mit extrem modernen Maschinen.“
* Elativ (Präfix): „Wir arbeiten mit hochmodernen Maschinen.“

Oft erscheinen bei den beiden letzten Formen lokalen Mundarten oder Soziolekten entsprungene Wörter. Präfixe wie „erz-“, „schwer-“, „super-“, „mega“, „ur-“, „end-“, „ober-“ usw. werden zur Bildung von beispielsweise „erzgewaltig“, „schwerreich“, „superschnell“, „megavoll“, „urheiß“, „endschnell“ und „oberheftig“ herangezogen. Entsprechende Intensivpartikel sind „konkret“, „voll“, „fett“, „krass“, „übel“, „hyper“, etc. pp.

Auch Superlativformen ohne Endungen wie „höchst“, „herzlichst“ usw. gelten als Elative, dürfen aber nicht mit dem Hyperlativ verwechselt werden.

Beispiele für Elative: beim besten Willen, beim leisesten Anzeichen, gütigst, in tiefster Trauer, mit freundlichsten Grüßen, zu unserer vollsten Zufriedenheit. Hingegen ist "in keinster Weise" kein Elativ, sondern eine sprachliche Stilblüte, da das Wort "kein" kein Adjektiv, sondern ein Indefinitpronomen ist; "kein" ist daher nicht steigerbar.

Der Elativ wird vor allem im Arabischen verwendet; hier werden mit seiner Hilfe Komparativ und Superlativ ausgedrückt.


Elativ (Kasus)
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie


Der Elativ ist ein Kasus in finnougrischen Sprachen, der die Herausbewegung ausdrückt.

Er kann im Deutschen mit den Präpositionen aus, von wiedergegeben werden.


Finnisch

Im Finnischen lautet die Endung -sta bzw. -stä, welche sich nach der Vokalharmonie richtet. Z. B. talosta „aus dem Haus“

Estnisch

Im Estnischen endet der Elativ auf -st bzw. im Plural auf -test oder -dest. Z. B. rongist „aus dem Zug“

Ungarisch

Im Ungarischen lautet die Endung -ból bzw. -ből nach der Vokalharmonie. Z. B. házból „aus dem Haus“
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Albert Einstein

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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon smART am Samstag 11. September 2010, 15:57

Herr Fuchs hat geschrieben:
Warum tuen Menschen so etwas? Wer hat eine Idee oder kann es erklären? Ist es vielleicht dieses krankhafte Suchen nach Grenzen, die das Elternhaus nicht mehr bietet?

Freundlich
Herr Fuchs


:meister:

Ich versuche Ihnen in einem Zug Ihre Fragen zu erklären:

Wenn zumeist höchstens durchschnittlich werkelnde Personen , sagen wir mal---> E; D; J ;U; N; (alphabetische Reihenfolge)
sich sehr nahe stehen, erhöhen sie mittels ihrer D; E; I; M; N; (alphabetische Reihenfolge) die Bedeutung auch von dere(r)n ihr Entarteten.
Dies geschieht mittels besch(n)eidener Wörterlein wie : wunderbar, einzigartig, begnadet, bewundernswert, wichtiCH, epochal, anbetungswürdig,.................
Hierzulande konnte sich z.B. ein dahingegangener Kabarettist nicht entblöden, Folgendes zu behaupten: der Pianist XY wäre der einzige gewesen, der "NOCH NIE IN SEINEM LEBEN EINE FALSCH TASTE ANGESCHLAGEN HATTE"! Noch Fragen?

Wenn aber "gereifte" Menschen ( und zwar durchwegs gleicher Art) sich täglich gegenseitig wider besseren Wissens mit Superlativen überhäufen, darf es nicht verwundern, daß sich Jungvolk&Musikantenstadl in Überdrüberblödsprech übt! So ist das eben - nachhaltig schlicht und ERGREIFEND :kaffee: !


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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon f.art reloaded am Samstag 11. September 2010, 16:20

Herr Fuchs hat geschrieben:Ehrwürdige Mitglieder,
...
"Dein Gesang ist absolut Mega, super, Titten, obergeil usw. gewesen."
...
Freundlich
Herr Fuchs

Sackstark, werter Herr Fuchs! :toll:
Der alte Indianer sitzt am Fluss und wartet, bis die Leichen seiner Feinde vorübertreiben…

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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon contraindicatio am Samstag 11. September 2010, 19:50

Bei mir gibz nur 2 Wertungen, gut und gschissn. Dazwischen spielt sich nix ab, das wäre mir zu subtil.

Herrn Fuxens Beitrag ist einfach nur gut, das muss reichen.
*************
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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon smART am Samstag 11. September 2010, 20:56

contraindicatio hat geschrieben:Bei mir gibz nur 2 Wertungen, gut und gschissn. Dazwischen spielt sich nix ab, das wäre mir zu subtil.

Herrn Fuxens Beitrag ist einfach nur gut, das muss reichen.


Deiner demnach die Zweitere! :kichern:


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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon also am Sonntag 12. September 2010, 00:34

Herr Fuchs hat geschrieben:.....
Warum tuen Menschen so etwas? Wer hat eine Idee oder kann es erklären? Ist es vielleicht dieses krankhafte Suchen nach Grenzen, die das Elternhaus nicht mehr bietet?

Freundlich
Herr Fuchs


Da ich keinerlei Erfahrungen auf diesem Gebiet vorweisen konnte und somit meine Erklärung zu diesem Thema nur Mutmaßungen wären, habe ich in Form eines Tests die Sache eruiert und gründlich untersucht. Eine von mir schon seit längerer Zeit angehimmelte Dame wurde heute um exakt 14:23 im Zuge dieses Experimentes im Beisein ihres Mannes und einiger Verwandte mit folgendem Satz angesprochen:
Gnädige Frau, sie sind heute wieder einmal super_Titten_obergeil.
Ihre weit aufgerissenen Augen und der starr auf mich fixierte Blick haben klar gezeigt, dass ich am richtigen Weg bin und die Dame durchaus nicht abgeneigt ist. Selbst ihr Ehemann blieb wortlos und wie angewurzelt am Platz, was verdeutlichte, dass ein Einverständnis seinerseits vorhanden wäre. Ja, ich habe an seiner Erstarrtheit sogar erkennen können, dass ich die Frau sofort und ohne Gegenwehr mitnehmen dürfte.
Mit Fug und Recht kann ich nun behaupten, dass ich die Antwort auf ihre Frage kenne, die da lautete, die Menschen tun es weil es funktioniert !

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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon contraindicatio am Sonntag 12. September 2010, 11:18

smART hat geschrieben:
contraindicatio hat geschrieben:Bei mir gibz nur 2 Wertungen, gut und gschissn. Dazwischen spielt sich nix ab, das wäre mir zu subtil.

Herrn Fuxens Beitrag ist einfach nur gut, das muss reichen.


Deiner demnach die Zweitere! :kichern:



Aus Deiner Sicht auf jeden Fall. Alles andere wäre inkonsequent.

8)
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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon UnART am Sonntag 12. September 2010, 12:04

Suffix nochamal!
Danke für die Aufklärung. Nun kann ich mein Altjapanisch einpacken. (Kann's eh nit!)
Der Kasus kommt also aus dem Finisch-Ugrischen – sozusagen „Finisch-Ugrisch-sta“ oder „Finisch-Ugurisch- ból, wie versprengte Nachkommen der Samojeden sagen würden.

Elativ (Partikel): Ist mein PC ein Partikel trifft auf es kein Elativ zu, dieses ist eher auf den Partikel vor dem PC anzuwenden – außer es gibt elativ negative Steigerungsformen. Dann könnte man behaupten: Der PC ist so uralt und superlangsam, dass ich der megageilen Diskussion kaum folgen kann. Es ist vollkrass und hyperübel so oberheftig hinten nach zu hinken.
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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon Integrator am Sonntag 12. September 2010, 15:09

Der totale Elativ ist ursuppi. Allerdings gehört er für den erzgeplagten Handydaumen gekürzt. „El 4 you“ oder so.
Es scheint die Sonne urheiß. Ich vertschüss mich megaschnell.
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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon Herr Fuchs am Sonntag 12. September 2010, 15:48

Hochwürdige Mitglieder,

zunächst einmal sollte klar sein, dass es sich bei Herrn Franz Elativ um einen Spätaussiedler aus Rumänien handelt, gegen den die Behörden im Moment wegen Hehlerei ermitteln...

Der Unterschied zwischen dem Superlativ und dem Elativ liegt grob gesagt darin, dass Sie bei einer Superlativform mindestens 3 beteiligte Objekte benötigen, die Sie miteinander in Verbindung bringen, um sie zu vergleichen.
(Beim Komparativ benötigen Sie hingegen nur zwei Bezugsobjekte. (Hannelore ist größer als Frauke).)
Zur Erklärung des Superlativs: Drei Frauen; Frauke, Hannelore und Ingeborg; wetteifern darum, wer die schönste von ihnen ist, würden nur Frauke und Ingeborg wetteifern, so reichte es völlig aus zu sagen, Frauke ist schöner (Komparativ) als Ingeborg.

Der Elativ nun ist von den Referenzobjekten völlig losgelöst und bildet die Höchstform der Steigerung ohne Vergleichsobjekt:
Deine Leistung ist sehr gut: es werden keine andere Personen genannt, mit deren Leistung die genannte verglichen wird.

Zurück zum Thema:
Vermutung 1:
Ein zu beobachtendes Merkmal unserer Jugendlichen ist die zunehmende reine emotionale Problemlösungsstrategie. Eine lasche Erziehung (Du musst nur das machen, wozu Du auch Lust hast, was Dir Freude bereitet und was Dir Spaß macht) führt dazu, dass der Affekt über der Ratio steht. Aufgrund fehlender emotionaler Erziehung lernt der Jugendliche nicht, seine Emotionen zu kontrollieren oder auch Handlungen durchzuführen, die ihm nun einmal keine Lust und Freude bereiten, er wird also rein von seinen Emotionen kontrolliert und gesteuert. Nimmt man dann noch die emotionalen Höhen und Tiefen der Pubertät hinzu, ist der Jugendliche mit einem Schwall an Emotionen konfrontiert, denen er kaum Ausdruck verleihen kann. Kein Elativ ist groß genug um dem Partner zu sagen: Meine Liebe zu dir ist gigantisch, unendlich, megagroß, wobei diese Aussage völlig wertlos ist, weil sie in der Reduktion nichts anderes bedeutet, als: Ich mag Dich gerade in diesem Moment, was in einer Stunde schön völlig anders sein kann, dann hasse ich Dich gigantisch, unendlich, wobei auch das eine völlig wertlose Aussage ist, da zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten kaum Bezüge bestehen. Der Elativ wird also zu einem Gerüst der inhaltsleeren Aussage. Und das führt uns zu der Frage, warum man sich einer solch inhaltsleeren Sprache bedient?

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Re: Die Welt des totalen Elativs

Beitragvon f.art reloaded am Sonntag 12. September 2010, 16:51

Herr Fuchs hat geschrieben:... Und das führt uns zu der Frage, warum man sich einer solch inhaltsleeren Sprache bedient?

Am freundlichsten von allen Forumsmitgliedern
Herr Fuchs

Um das polemische Gerüst div. Politiker und Kapitalisten zu füllen. Wobei sich (mir) die zwingende Frage stellt: Existieren auch Satzhülsen? :hmm:
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