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Das Milgram - Experiment

Das Milgram - Experiment

Beitragvon virginia am Montag 25. Februar 2008, 11:29

aus aktuellem Anlass ein Buch, dass mich vor vielen Jahren stark beeindruckte. Stanley Milgram untersucht in seinem Werk die Frage, wie es möglich ist, dass ein Mensch, der aus innerster Überzeugung Diebstahl, Tötung und Körperverletzung verabscheut es fertig bringt, eine derartige Gewaltbereitschaft zu entwickeln, wie es unter der Naziherrschaft der Fall war.

eines der Geheimnisse - vorweggenommen - liegt darin, dass ein Mensch sich als Werkzeug eines anderen sieht, sich für seine eigenen Handlungen nicht mehr verantwortlich sieht. Es erfolgt eine Anpassung im Denken, die Bereitschaft zum grausamen Handeln, die Kategorie der Rechtfertigung, kurz: der Mensch liefert sich einer Autorität aus und sieht den Auslöser seines eigenen Tun nicht mehr bei sich, sondern andere sind dafür verantwortlich.

Die Frage stellt sich natürlich, welche Faktoren wie Gewaltandrohung und Strafe, die Furcht auslösen können, dafür maßgeblich sind.

Milgram wählt daher ein Versuchssetting, wo diese Gewaltandrohung und Strafe nicht vorkommen. Er untersucht, inwieweit Menschen von sich aus bereit sind - ohne Angst haben zu müssen - Gewalt anzuwenden. Es geht also nur um den Gehorsam, dem sich Menschen unterwerfen, wenn sie der Meinung sind, sie hätten es mit einer "Autorität" zu tun.
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Gehorsam

Beitragvon virginia am Montag 25. Februar 2008, 11:40

Was ist Gehorsam?

Gehorsam gehört zu den Grundelementen des gesellschaftlichen Lebens. Ein gewisses Autoritätssystem ist für jedes Gemeinschaftswesen nötig. Gehorsam beeinflusst Verhalten. Von 1933 - 1945 wurden Millionen unschuldiger Menschen auf Befehl systematisch umgebracht. Es wurden Gaskammern gebaut, Todeslager errichtet, tägliche Leichenquoten wurden mit der gleichen Effizienz "erzeugt" wie Geräte auf dem Fließband. Derart unmenschliche Prozeduren entsprangen vielleicht aus dem Gehirn eines einzelnen, doch konnten sie in solchem Ausmaß nur durchgeführt werden, wenn eine große Zahl von Menschen seinen Befehlen gehorchten.

Gehorsam ist der psychologische Mechanismus, durch den individuelles Handeln an politische Zwecke gebunden wird. Menschen lernen von klein auf, gehorsam zu sein. Er ist damit eine tief verwurzelte Verhaltenstendenz, der das anerzogene ethische Empfinden und Mitgefühl über den Haufen wirft.

Die nazistische Vernichtungsaktion gegen die europäischen Juden ist das extremste Beispiel für ein abscheuliches und unmoralisches Verhalten, das Tausende im Namen des Gehorsams an den Tag legten. Doch - dieses Verhalten tritt im Alltag immer wieder auf. Gewöhnliche Bürger erhalten den Befehl, andere Menschen zu vernichten - und tun es, weil sie es als ihre Pflicht ansehen, Befehlen zu gehorchen. Diese Gehorsamsbereitschaft dient einer üblen Sache und verwandelt sich damit in verabscheuenswürdige Sünde - oder?

Die alten Philosophen argumentierten damit, dass Ungehorsam die Struktur der Gesellschaft bedrohen könnte. Dagegen argumentieren die humanistischen Denker, dass in derartigen Fällen das individuelle Gewissen Vorrang habe und bestehen darauf, das moralische Urteil über die Autorität zu stellen.

Diesen Akt des Gehorsams und seine Folgen untersucht Milgram. Er baute dazu in der Yale University ein einfaches Versuchssetting auf.
virginia
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Das Versuchssetting

Beitragvon virginia am Montag 25. Februar 2008, 11:54

Am Experiment an der Yale University waren mehr als tausend Teilnehmer beteiligt, das Experiment wurde von vielen Universitäten wiederholt.

Konzept:
Eine Person kommt in ein Labor und erhält den Befehl, eine Reihe von Handlungen auszuführen, die sie zunehmend in einen Gewissenskonflikt stürzen. Die Kernfrage: Wie lange fügt sich die Versuchsperson (VP) den Anordungen des Versuchsleiters (VL), bevor sie sich weigert, weiter zu machen?

Detail:
2 Personen betreten das Labor. Die Vorinformation: Es geht um eine wissenschaftliche Untersuchung über Erinnerungsvermögen und Lernfähigkeit. Einer von ihnen wird zum Lehrer bestimmt, der andere zum "Schüler". Der VL erklärt ihnen, dass untersucht werden soll, inwieweit "Lernen" und "Bestrafung" voneinander abhängig sind. Der Schüler wird in einen Raum gebracht, seine Arme werden festgebunden und an seinen Handgelenken wird eine Elektrode befestigt. Man erklärt ihm, er hätte eine Reihe von Wortpaaren zu lernen und dass er bei jedem Fehler einen Elektroschock von wachsender Stärke erhalten werde.

Im Mittelpunkt steht der "Lehrer", die eigentliche VP. Nachdem sie sah, wie der Schüler angebunden wurde, bringt man sie in einem Nebenraum und lässt sie vor einem eindrucksvollen "Schockgenerator" Platz nehmen. Er hat eine horizontale Anordnung von 30 Schaltern, die bei einer Steigerung von jeweils 15 Volt mit 15 bis 450 Volt bezeichnet sind. Darunter stehen Aufschriften, die von "leichtem Schock" bis zu "bedrohlichem Schock" reichen. Der VP wird erklärt, dass sie den "Schüler" einem Test zu unterziehen habe. Wenn der Schüler die richtige Antwort gibt, geht der "Lehrer" zur nächsten Frage über. Gibt der Schüler eine falsche Antwort, soll die VP ihm einen Elektroschock verpassen, beginnend mit der niedrigsten Voltstärke - also 15 Volt. Diese Stärke wird bei jedem Fehler erhöht, als0 30, 45...

Der "Lehrer" ist die eigentliche VP, der Schüler spielt seine Rolle nur. Er erhält selbstverständlich keinen Schock. Ziel ist, herauszufinden, wie weit ein Mensch in einer konkret messbaren Situation geht, wenn ihm befohlen wird, einem protestierenden Opfer zunehmende Qualen zuzufügen. Wann wird die VP beginnen, sich zu weigern?
virginia
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Erste Konflikte

Beitragvon virginia am Montag 25. Februar 2008, 12:15

Der Konflikt beginnt, wenn das Opfer beginnt, Unbehagen auszudrücken. Bei 75 Volt murrt er, bei 120 V beklagt er sich ausdrücklich, bei 150 V bittet er darum, aus dem Experiment entlassen zu werden. Die Proteste steigern sich, je stärker die Schocks sind. bei 285 V kann die Reaktion nur mehr als qualvolles Schreien bezeichnet werden.

Für die VP ist die Situation kein Spiel, ihr Konflikt ist für die VL deutlich zu erkennen. Einerseits die offensichtliche Qual des "Schülers", andererseits befiehlt der VL - also die legitimierte Autorität - das Experiment fortzusetzen. Um aus der Sitation rauszukommen, muss die VP einen klaren Bruch mit der Autorität herbei führen.

Der Leser wundert sich vielleicht, wie überhaupt ein Mensch mit gesundem Verstand in der Lage sein soll, anderen Menschen Elektroschocks zu verpassen. Würde sich nicht jede normale VP weigern, das zu tun? Tatsache ist, dass keine dies jemals tat. Die VP ist in das Labor gekommen, um an dem Experiment teilzunehmen. Das ist nicht ungewöhnlich, denn auch der "Schüler" zeigt sich zunächst kooperativ. Aber überraschend ist, wiel lange sich durchschnittlich normale Menschen den Anordnungen eines VL fügen. Die Ergebnisse des Experiments sind ebenso überraschend wie auch bestürzend.

Viele gehorchen dem VL, gleichgültig, wie heftig das Opfer auch fleht, gleichgültig, wie schmerzhaft die Schocks zu sein scheinen. Dies zeigte sich bei allen Versuchen auf allen Universitäten. Diese Bereitschaft von Erwachsenen, auf den Befehl einer Autoritätsperson nahezu alles zu tun - ist eine Tatsache, die dringend einer Erklärung bedarf.

Eine Erklärung wäre: die VP waren Ungeheuer, sadistische Randerscheinungen der Gesellschaft. Wenn man allerdings bedenkt, dass beinahe 2 Drittel der VP unter die Kategorie der "gehorsamen VP" fallen und dass sie Durchschnittsmenschen aus Arbeiter- und Angestelltenkreisen waren, wird diese Erklärung ziemlich dünn.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch Hannah Arendts in ihrem Buch "Eichmann in Jerusalem". Sie behauptete, Eichmann sei viel eher ein fantasieloser Bürokrat gewesen als das Ungeheuer, als das er hingestellt wurde. Beim Experiment versetzten die VP ihren Opfern die Schock aus einem Gefühl der Verpflichtung heraus - nicht, weil sie überdurchschnittlich aggressiv waren.

Das ist vielleicht die fundamentalste Erkenntnis aus den Experimenten: ganz gewöhnliche Menschen, die keinerlei persönliche Feindseligkeit empfinden, können zu grausamen Vernichtungsprozessen veranlasst werden. Schlimmer noch: Selbst wenn ihnen das vor Augen geführt wird und die Handlungen stehen im krassen Widerspruch zu ihren Werten verfügen doch nur wenige über genügend Standfestigkeit, um der Autorität Widerstand zu zeigen.

Die Kraft, die von Moralvorstellungen des Menschen ausgeht, ist viel schwächer, als man annehmen möchte. Obgleich Gebote wie "du sollst nicht töten" eine hervorragende Stellung in der gesellschaftlichen Moral einnehmen, reichen ein paar kleine Änderungen in den Schlagzeilen der Zeitungen, die Einberufung zum Militär, Befehle von einem Mann in Uniform und man bringt Menschen ohne große Schwierigkeiten dazu, zu töten.
virginia
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Warum Gehorsam?

Beitragvon virginia am Montag 25. Februar 2008, 12:42

Was veranlasst die VP dazu, zu gehorchen?

Es gibt eine Reihe von "Bindungsfaktoren". Dazu gehört Höflichkeit, das Bestreben, zu gefallen, auch die Peinlichkeit des Ausscheidens. Weiters findet im Denken der VP Anpassung statt, typische Denkprozesse bei Personen, wenn ihnen eine Autoritätsperson Handlungen gegen hilflose Dritte befiehlt.

Eine dieser Mechanismen ist die Tendenz, im technischen Aspekt der Aufgabe aufzugehen. Damit verliert man den Blick auf die Konsequenzen. Die VP werden von den technischen Details in Anspruch genommen, sie lesen Wortpaare mit vorzüglicher Aussprache, drücken die Schalter sehr sorgfältig. Sie wollen eine angemessene Leistung zeigen und zeigen gleichzeitig ein Schrumpfen moralischer Besorgnis und Anteilnahme. Diese überlassen sie dem VL. Die VP betrachtet sich als "nicht verantwortlich" für ihr Tun. Alles liegt beim VL, bei der Autorität - sie führen nur aus. Damit fühlt sich die VP auch nicht moralisch haftbar. Bei den Interviews war eine typische Aussage: "ich hätte das selbst ja nicht getan. Ich hab ja nur ausgeführt, was der VL anordnete". Die alte Geschichte: man hat ja nur seine Pflicht getan. Das war auch immer wieder in den Aussagen zu den Nürnberger Prozessen zu hören. Es wäre falsch, dies als billige Entschuldigung zu sehen. Es war ein fundamentaler Denkmodus, den viele Menschen entwickelten. Das Verschwinden des Verantwortungsgefühls ist die stärkste Konsequenz der Unterordnung unter eine Autorität.

Dh nicht, dass der Mensch gleichzeitig sein Moralgefühl verliert. Seine moralische Sorge verlagert sich. Er fragt sich, wie gut er den Anordnungen der Autorität entsprechen könnte.

eine weiter psychologische Kraft ist die primitive Tendenz im Menschen, unbeseelten Gegenständen "menschliche Kräfte" zuzuschreiben. Sagt der VL "Das Experiment verlangt, dass sie weitermachen", bekommt die VP das Gefühl, es handle sich um einen Befehl, der noch größere Kraft hat als eine bloß menschliche Anordnung. Die VP wird damit Teil eines Schemas, das von Menschen abstrahiert. "Es" muss weitergehen, und dieses "Es" ist so mächtig, dass nicht mehr gesehen wird, dass hinter diesem "Es" ein Mensch steckt. Man tut es ja für "einen edlen" Zweck, so, als würde dieser Zweck unabhängig von Menschen existieren, die ihn festlegen. In diesem Denkmodell gewinnt das Zufügen von Elektroschocks eine völlig andere Bedeutung.

Was zusätzlich in Nazideutschland passierte: eine starke Abwertung der Opfer. Länger als 10 Jahre wurde eine heftige antijüdische Propaganda betrieben und bereitete die Bevölkerung darauf vor, die Vernichtung hinzunehmen. Schritt für Schritt wurden die Juden aus der Kategorie "Bürger und Landsleute" ausgeschlossen (Anm: erleben wir das nicht genau so in Bezug auf bestimmte Bevölkerungsschichten von bestimmten Gruppierungen aus??? :worried: ) bis man ihnen schließlich den Rang als Menschen absprach. Diese systematische Herabwürdigung ist eine psychologische Rechtfertigung für die brutalen Taten den Juden gegenüber und ist stets eine Begleiterscheinung bei Massenmord, Progromen und Kriegen.

Auch beim Experiment zeigte sich dieses Verhalten häufig. VP werteten ihre Opfer ab. "Er war so dumm und widerspenstig, er verdiente die Schocks...."

Viele der VP protestierten auch während des Experiments. Trotzdem verabreichten sie die Stromstöße. Zwischen Worten und Gedanken und dem konkreten Handeln liegt also noch etwas anderes: Die Fähigkeit, Überzeugungen und Werte in die Aktion umzusetzen. Manche VP wussten vom Unrecht ihres Tuns. Sie wagten es jedoch nicht, sich gegen die Autorität aufzulehnen. andere trösteten sich damit, dass sie es eigentlich nicht hätten tun wollen. Doch: politische Kontrolle wird durch Aktion bewirkt. Die innere Einstellung der Wachposten in einem KZ ist bedeutungslos, wenn sie zulassen, dass vor ihren Augen Menschen gefoltert und getötet werden. Ähnlich der so genannte "geistige und innere Widerstand" in Europa - nichts als ein bequemer und beruhigender psychologischer Mechanismus.

Willkürherrschaft wird von schwachen Menschen aufrecht erhalten, die nicht genügend Mut besitzen, ihre Überzeugungen in Aktion umzusetzen.
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Re: Das Milgram - Experiment

Beitragvon calimero am Montag 25. Februar 2008, 13:02

Es gibt ein "Gegenrezept" gegen dieses Gehorchen...das Wissen, dass man, so man sein eigenes Gewissen nicht im Stich läßt, sich nicht nur "in den Spiegel schauen kann", sondern eigentlich Attribute wie "mutig", "tapfer", "Vorbildcharakter" verdient.
Wenn man sich also gegen das, was man selbst als unmenschlich einstuft, wehrt - und sei es auch als allereinzige Person - so kann man (wenigsten innerlich, für sich selbst) zum "Helden" werden.
Egal, wieviel Autoritäten es gibt, wie "hoch" sie stehen, ob die gesamte Masse mitmacht und man als einziger aus der Reihe tanzt.
Das Wissen, dass man sein eigenes Gewissen nicht betrogen hat, kann einen über sich hinauswachsen lassen.
Und ich weiß es....es ist ein supertolles Gefühl!!!!!
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Re: Das Milgram - Experiment

Beitragvon Bukittimah am Montag 25. Februar 2008, 13:18

calimero hat geschrieben:Es gibt ein "Gegenrezept" gegen dieses Gehorchen...das Wissen, dass man, so man sein eigenes Gewissen nicht im Stich läßt, sich nicht nur "in den Spiegel schauen kann", sondern eigentlich Attribute wie "mutig", "tapfer", "Vorbildcharakter" verdient.
Wenn man sich also gegen das, was man selbst als unmenschlich einstuft, wehrt - und sei es auch als allereinzige Person - so kann man (wenigsten innerlich, für sich selbst) zum "Helden" werden.
Egal, wieviel Autoritäten es gibt, wie "hoch" sie stehen, ob die gesamte Masse mitmacht und man als einziger aus der Reihe tanzt.
Das Wissen, dass man sein eigenes Gewissen nicht betrogen hat, kann einen über sich hinauswachsen lassen.
Und ich weiß es....es ist ein supertolles Gefühl!!!!!


Ja schon, nur kann man unter einem diktatorischen Regime, wie das Nazi-Regime eines war, das supertolle Gefuehl ein "Held" zu sein, nicht lange geniessen.
Mein Grossvater war so ein Fall. Er hat konsequent "Nein" gesagt. Eine Konsequenz, die man im Nachhinein schon als Dummheit werten kann, geht man von seinem Ende aus. Er hat seine Prinzipien nicht aufgegeben, nicht seinen Glauben, dass der Kommunismus (ausgerechnet!) fuer alle Menschen etwas Gutes bringt. Viel hat er von den wunderbaren Attributen die er sich deswegen, laut deiner Meinung, zuschreiben konnte, also nicht gehabt. Vor allem seine Familie nicht....

@ Virgina:
Sehr interessant. Danke!

Jeder von uns wird jetzt natuerlich denken, also ICH haette da nicht lange mitgemacht. Aber ist es wirklich so? Erschreckend eigentlich.

Man kann natuerlich jetzt den Teilnehmern dieses Experiments, die nicht aufhoerten "weiterzudruecken", zugute halten, dass sie ja davon ausgehen konnten, dass die Versuchsleiter alle Teilnehmer auf gar keinen Fall schaedigen werden. Aus diesem Grund ist es, zumindest meiner Meinung nach, nicht unbedingt 1:1 auf die brutale Wirklichkeit des Nazi-Regimes, wo Millionen Menschen ja tatsaechlich sterben mussten, umzulegen.

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Re: Das Milgram - Experiment

Beitragvon calimero am Montag 25. Februar 2008, 14:04

Buki, das stimmt. Die Nazizeit war so einzigartig, dass man das eigentlich mit nichts vergleichen kann. Bzw. nur bedingt.
Aber es muss ja nicht unbedingt um das Allerärgste gehen. Es fängt ja klein an. Wo mache ich mit, wo stelle ich mich gegen die allgemeine Meinung? Wo trau ich mich was tun?
Gerade beim Milgram Experiment waren ja die Versuchspersonen, die drücken sollten, nicht mit ihrem eigenen Leben bedroht, wenn sie es nicht taten. Dennoch drückten sie.
Das heißt, es gab bei ihnen keinerlei Bedrohung, weder mussten sie um ihr Leben bangen, noch um das ihrer Verwandten. Ein "Nein, das mach ich nicht!" hätte keine wirklichen Auswirkungen gehabt.
Dennoch...sie gehorchten.
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Re: Das Milgram - Experiment

Beitragvon M. am Montag 25. Februar 2008, 14:05

... zugute halten, dass sie ja davon ausgehen konnten, dass die Versuchsleiter alle Teilnehmer auf gar keinen Fall schaedigen werden.


Ich glaube, genau das ist der Punkt, der "Schlüssel"....
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Re: Das Milgram - Experiment

Beitragvon calimero am Montag 25. Februar 2008, 14:23

Mariella, schon. Aber:

Der Konflikt beginnt, wenn das Opfer beginnt, Unbehagen auszudrücken. Bei 75 Volt murrt er, bei 120 V beklagt er sich ausdrücklich, bei 150 V bittet er darum, aus dem Experiment entlassen zu werden. Die Proteste steigern sich, je stärker die Schocks sind. bei 285 V kann die Reaktion nur mehr als qualvolles Schreien bezeichnet werden.


Hätte da nicht jeder nachfragen müssen, ob das Unbehagen nur gespielt ist, oder echt?
Eigentlich sollte einem ja der gesunde Menschenverstand sagen, dass man bei Schmerzensschreie einmal nachfragen sollte. Sicher, wenn der Versuchsleiter dann betont, alles wäre nur "Show", dann versteh ich es, wenn weitergedrückt wird. Aber ich glaub, das hat er nicht.
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Re: Das Milgram - Experiment

Beitragvon virginia am Montag 25. Februar 2008, 14:48

Bukittimah hat geschrieben:
Ja schon, nur kann man unter einem diktatorischen Regime, wie das Nazi-Regime eines war, das supertolle Gefuehl ein "Held" zu sein, nicht lange geniessen.

*


Stimmt, wenn die Diktatur erst einmal errichtet ist, ist es zu spät. Allerdings: Wie hat es Hitler geschafft, an die Macht zu kommen? Er hatte nicht von Anfang an die Möglichkeiten, die er später hatte. Dazu brauchte er die Massen. Und die hatte er auf seiner Seite.....
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Re: Das Milgram - Experiment

Beitragvon M. am Montag 25. Februar 2008, 15:19

calimero hat geschrieben:Mariella, schon. Aber:

Der Konflikt beginnt, wenn das Opfer beginnt, Unbehagen auszudrücken. Bei 75 Volt murrt er, bei 120 V beklagt er sich ausdrücklich, bei 150 V bittet er darum, aus dem Experiment entlassen zu werden. Die Proteste steigern sich, je stärker die Schocks sind. bei 285 V kann die Reaktion nur mehr als qualvolles Schreien bezeichnet werden.


Hätte da nicht jeder nachfragen müssen, ob das Unbehagen nur gespielt ist, oder echt?
Eigentlich sollte einem ja der gesunde Menschenverstand sagen, dass man bei Schmerzensschreie einmal nachfragen sollte. Sicher, wenn der Versuchsleiter dann betont, alles wäre nur "Show", dann versteh ich es, wenn weitergedrückt wird. Aber ich glaub, das hat er nicht.


Du hast mich missverstanden! Es geht um die instinktive Reaktion..."dass eh die Versuchsleiter " .... die Verantwortung übernehmen.
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Re: Das Milgram - Experiment

Beitragvon calimero am Montag 25. Februar 2008, 15:30

Mariella, passt schon! :)

Aber das ist es ja...nur eine instinktive Reaktion, dass eine, wie immer geartete, Verantwortung wer anderer übernimmt? So in der Art, die werden schon wissen, was sie tun?

Aber ich glaube, in dem Fall ist es ja wirklich schwer. Bei einem Versuch (und keine der Versuchspersonen konnte annehmen, dass es sich um was anderes handeln könnte) wird wohl jeder angenommen haben, dass niemand zu Schaden kommt, dass keiner wirklich ernsthafte Schmerzen hat oder in Gefahr ist.
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Re: Das Milgram - Experiment

Beitragvon virginia am Montag 25. Februar 2008, 15:37

calimero hat geschrieben:Gerade beim Milgram Experiment waren ja die Versuchspersonen, die drücken sollten, nicht mit ihrem eigenen Leben bedroht, wenn sie es nicht taten. Dennoch drückten sie.
Das heißt, es gab bei ihnen keinerlei Bedrohung, weder mussten sie um ihr Leben bangen, noch um das ihrer Verwandten. Ein "Nein, das mach ich nicht!" hätte keine wirklichen Auswirkungen gehabt.
Dennoch...sie gehorchten.


Stimmt. Milgram hat das auch geschildert, und die Reaktionen und Rechtfertigungen der VP. Doch dazu später...
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Re: Das Milgram - Experiment

Beitragvon virginia am Montag 25. Februar 2008, 15:39

M. hat geschrieben:
... zugute halten, dass sie ja davon ausgehen konnten, dass die Versuchsleiter alle Teilnehmer auf gar keinen Fall schaedigen werden.


Ich glaube, genau das ist der Punkt, der "Schlüssel"....


Stimmt - allerdings ist das, was sich zeigte, ziemlich überraschend. Das war tatsächlich eine der Rechtfertigungen, darauf hin hat Milgram das Setting geändert und die Versuchsleiter teilweise "entfernt" ;)
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