Banken unter Verdacht des Insiderhandels
Die Finanzaufsichtsbehörde Bafin ermittelt gegen mehrere Banken wegen Insiderhandels mit Aktien des angeschlagenen Kreditinstituts Hypo Real Estate. Sie sollen geheimes Wissen über den drohenden Absturz der Bank missbraucht haben.
40 Jahre lang hat Johannes Ulhorn aus München für die Hypo-Gruppe gearbeitet. Erst für die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank, dann für die daraus hervorgegangene Hypo-Vereinsbank (HVB). Einen Teil des Gehalts bekam er in Belegschaftsaktien ausbezahlt.
Als die HVB 2003 ihre Immobiliensparte abspaltete und so die inzwischen zu trauriger Berühmtheit gelangte Hypo Real Estate (HRE) entstand, wurde ein Teil von Ulhorns HVB-Papieren in HRE-Aktien umgewandelt. 2004 ging der Zahlenexperte, der lange im Rechnungswesen tätig gewesen war, in Ruhestand. "Die Aktien habe ich nie angerührt", erzählt Ulhorn. "Sie sollten später mal meine Rente aufbessern."
648 HRE-Aktien besitzt der Ruheständler noch. Die Papiere sind inzwischen fast nichts mehr wert. Hätte Ulhorn rechtzeitig vor dem 29. September 2008 verkauft, als der Niedergang der HRE anfing, dann wären bei einem Kurs von 15 Euro immerhin noch knapp 10000 Euro herausgesprungen. So aber hat der Rentner ein kleines Vermögen verloren.
Gegen welche Banken ermittelt wird sagt die Bafin nicht
Anderen Aktionären erging es besser. Sie stießen in der Woche vor dem 29. September ihre Papiere rechtzeitig ab. Womöglich waren diese Anleger von ihren Banken gewarnt worden. Einige der Institute verkauften ebenfalls noch schnell HRE-Aktien, die ihnen selbst gehört hatten. Jetzt ermittelt die Bankenaufsichtsbehörde Bafin wegen Insiderhandel. Mehrere Institute stehen in Verdacht, Ende September geheimes Wissen um den drohenden Absturz der HRE dazu missbraucht zu haben, ihre Schäfchen rechtzeitig ins Trockene zu bringen. "Diese Untersuchung dauert noch an", bestätigte die Bafin auf Anfrage. Gegen welche Banken ermittelt wird, wollte die Aufsichtsbehörde nicht mitteilen.
Es ist gesetzlich verboten, Insiderwissen für Aktiengeschäfte zu nutzen. Wer das trotzdem macht, dem drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis oder eine Geldstrafe. Die Bafin kann auch aufsichtsrechtlich gegen die betreffenden Banken vorgehen. Die Behörde hatte im Herbst vergangenen Jahres auffällige Verkäufe von HRE-Aktien vor dem 29. September registriert. Das geht aus einer internen Notiz der Bafin hervor.
Kurssturz: Von 15 Euro pro Aktie auf unter vier Euro
Am 29. September, einem Montag, hatte die HRE ihre angespannte finanzielle Lage erstmals öffentlich zugegeben und mitgeteilt, dass am Wochenende zuvor mit der Bundesregierung und anderen Banken ein Rettungspaket im Umfang von 35 Milliarden Euro vereinbart worden war. Der Aktienkurs stürzte an diesem Tag von 15 auf unter vier Euro ab, inzwischen liegt er bei knapp über einem Euro.
Der Rentner Ulhorn und viele andere Aktionäre hatten am 29. September erstmals von der Schieflage bei der HRE erfahren, sie konnten nicht mehr reagieren. Mehrere Banken waren aber bereits in der Woche zuvor über die angespannte Lage bei der HRE im Bilde gewesen.
Der damalige HRE-Chef Georg Funke und Finanzvorstand Markus Fell hatten nach Erkenntnissen der Bafin seit dem 23. September 2008, einem Dienstag, in der Finanzbranche um Hilfe gebeten. Das mündete in "intensive Beratungen zwischen Vertretern der HRE-Gruppe, den Spitzen des privaten Bankgewerbes" und der Bankenaufsicht vom 26. bis zum 29. September. So steht es in einem Brief von Bafin-Chef Jochen Sanio an das Bundesfinanzministerium.
Etliche Banken wussten wie schlimm es um die Hypo Real Estate stand
Ziel der Gespräche sei es gewesen, die nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers Mitte September 2008 und der dadurch zugespitzten Finanzkrise "kurzfristig entstandenen Liquiditätsprobleme" der HRE-Gruppe zu lösen. Etliche Banken waren damals also informiert, wie schlimm es um die HRE stand.
Die Institute, gegen die ermittelt wird, haben inzwischen Post von der Bafin bekommen. Sie sollen die Namen ihrer Kunden mitteilen, die kurz vor dem 29. September in auffälligem Umfang rasch noch Aktien veräußert hatten. Auch den damals bemerkenswerten Eigenhandel von Banken mit HRE-Aktien will die Bafin aufklären. Sollte die Aufsichtsbehörde dabei auf Anhaltspunkte für strafbare Insidergeschäfte stoßen, dann wäre sie verpflichtet, die für die einzelnen Banken zuständigen Staatsanwaltschaften einzuschalten. So weit ist die Bafin nach eigenen Angaben allerdings noch nicht.
Der ehemalige Hypo-Angestellte Ulhorn wartet nicht ab, was bei den Untersuchungen herauskommt. Der Rentner hat bereits im Oktober 2008 bei der Münchner Staatsanwaltschaft eine Strafanzeige wegen Vermögensvernichtung eingereicht. Wäre ihm bekannt gewesen, was da drohe, dann hätte er sein Aktienpaket noch rechtzeitig verkaufen können, schrieb Ulhorn den Strafverfolgern. Jetzt ist die Rücklage des Rentners weg.
http://www.sueddeutsche.de/finanzen/779 ... R=taeglich
Ach was, Insiderhandel, purer Zufall ist das unter Banker....



