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die schuld der alten

Re: die schuld der alten

Beitragvon OHB am Sonntag 30. August 2009, 08:54

faktum ist
es müßen immer welche ins gras beissen
damit andere in ruhe grasen können
:( :( :(
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Re: die schuld der alten

Beitragvon xenia am Sonntag 30. August 2009, 13:35

auch ein "schuldiger alter", der nicht früher erzählt hat ?

"Ich hab mir meine Kindheit nicht rauben lassen"

Vor 70 Jahren, am 1. September 1939, begann der Zweite Weltkrieg. Otto Schenk erlebte den Tag, als der Weltkrieg ausbrach, in Wien.

Bild Bild : Kurier/Borovieczeny
"Wie ein großer Trauertag": Otto Schenk ist die gedrückte Stimmung in Wien am Tag, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, noch in tiefer Erinnerung

Als Hitler vor 70 Jahren den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brach, war der Schauspieler und Regisseur Otto Schenk neun Jahre alt und lebte mit seinen Eltern in Wien. Da seine Großeltern väterlicherseits getaufte Juden waren, wurde sein Vater, von Beruf Notar, seit dem "Anschluss" 1938 nach den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 verfolgt. Er musste seinen Beruf aufgeben. Da er aber schon vor 1935 eine "Arierin" geheiratet hatte - Otto Schenks Mutter stammte aus Triest -, galt die Ehe als "privilegierte Mischehe". Der Vater musste zwar keinen Judenstern tragen und wurde nicht deportiert, doch er und seine Familie erlitten zahlreiche Verfolgungen durch das Nazi-Regime. Otto Schenk wurde als "Mischling" eingestuft.

Im Gespräch mit dem KURIER schildert Otto Schenk, wie er den Kriegsbeginn und die Nazi-Diktatur erlebte.

KURIER: Wie haben Sie den 1. September 1939 in Erinnerung?
Otto Schenk: Ich war damals neun Jahre alt. Mein Vater und meine Familie waren noch geprägt vom Ersten Weltkrieg. Wir waren vom Hitler-Regime Verfolgte. Wir haben nicht eine Sekunde an den Sieg von Hitler glauben wollen oder geglaubt. Wir waren entsetzt, dass so etwas noch einmal passieren kann.

Wie war die Stimmung in Wien an diesem Tag?

Eines muss man sagen: Wenn man sieht, mit welcher Begeisterung die vertrottelten Völker in den Ersten Weltkrieg gezogen sind - zwanzig Jahre später gab es keinerlei Begeisterung für den Kriegsanfang, sogar bis in Nazi-Kreise hinein. Die Stimmung war zutiefst gedrückt. Es war wie ein großer Trauertag. Der Hitler war ja von Anfang an süchtig, einen Krieg zu führen. Der hat nur riskiert, riskiert, riskiert.

Können Sie sich an den Einmarsch der Hitler-Truppen im März 1938 erinnern?
Ich kann mich noch erinnern, wie wir die Schuschnigg-Rede im Radio gehört haben mit seinem "Gott schütze Österreich". Wie der Hitler einmarschiert ist, war mein Vater überzeugt: "So, das ist der Weltkrieg!"

Wie schwer war das alles für Sie als Kind zu ertragen?
Ich bin in dieses Entsetzen eingebunden worden. Trotz Spielzeug-Soldaten und Spielzeug-Panzer, die wir Kinder gesammelt haben: Dass das ernst wird, war für uns unvorstellbar.

Manche Zeitzeugen sagen, Hitler und der Krieg hätten ihnen die Kindheit geraubt. Sagen Sie das auch von sich?
Nein, ich hab mir meine Kindheit nicht rauben lassen! Und mein Vater hat mit seinem Humor dafür gesorgt, dass ein gewisser Freundeskreis ein bisschen süchtig war nach ihm. Er war kein Stern-tragender Jude. Wir waren eine "privilegierte Mischehe", wie man das damals genannt hat. Wir waren ja katholisch erzogen, von Geburt an, mein Vater war christlich getauft und hat christlich geheiratet, schon meine Großeltern waren christlich verheiratet. Wir wurden erst zu Juden erklärt durch diese blöde Rassentheorie (der Nazis, Anm.). Aber ich habe mich von Anfang an zu dieser Schicksalsgemeinde bekannt. Meine Mutter, die ja Ur-Arierin und Italienerin ist, hat immer gesagt: "Ich schäme mich, keine Jüdin zu sein." Darauf mein Vater: "Bist du verrückt? Du bist doch unsere Lebensretterin!"

Ihre Haltung war stark geprägt vom Elternhaus.
Ja, natürlich. Es war für mich keine Kunst, ein Anti-Nazi zu sein. Sie hätten mich gar nicht genommen (in der NSDAP) , selbst wenn ich's wollen hätt'. Also, ich kann mich nicht rühmen. Ich hatte nur die Gnade, sofort zu durchschauen, was gespielt wird. Mir wurden die Augen darauf gerichtet, was für Elend rundherum geschah. Ich konnte nicht wegschauen, ich wurde sogar ein bisschen erzogen, hinzuschauen.

Wie näherte sich Ihnen der Krieg?
Er hat sich schon abgezeichnet - mit Verdunkelung und Luftschutz-Proben und so weiter. Da hat man aber immer noch geglaubt, der Krieg ist weit weg. Dass er einmal in einen Bombenkrieg ausarten wird, hat man damals noch nicht gespürt. Aber als die Freunde meiner Schwester eingerückt sind und meine älteren Cousins eingezogen wurden, war das ein ununterbrochenes Abschiednehmen. Man hat so gehofft von Soldatenurlaub zu Soldatenurlaub, dass einer zurückkommt.

Was war die größte Angst, die Ihre Familie damals hatte?
Die einzige Angst von uns Verfolgten war, dass der Hitler den Krieg eventuell gewinnen könnte. Mein Vater hat immer gesagt: "Nein, er wird ihn nicht gewinnen, er muss ihn verlieren - es ist nur die Frage, ob wir es überleben."

Hat Ihre Familie sich überlegt, ins Ausland zu fliehen?
Wir haben uns überlegt auszuwandern. Das heißt, mein Vater (Jurist, Anm.) hat sich das nicht überlegt. Er hat gesagt, er möchte lieber ein Verfolgter im eigenen Land sein als ein Bettler in einem fremden Land, wo er nichts gelernt hat, um zu überleben. Außer Jus - und das Recht ist ja beschränkt auf das eigene Land.

Der eine Onkel ist ausgewandert. Meinen anderen Onkel hat der Schlag getroffen - gleich in diesen Tagen, wie er von den Schergen gehetzt wurde. Er war ein wunderbarer Maler und anerkannter Zahnarzt. Seine Ordination ist sofort besetzt und enteignet worden. Er ist dann mit meiner 82-jährigen Großmutter nach Theresienstadt verschleppt worden. Dort ist er nach 14 Tagen tot gewesen. Die Umstände haben wir nicht erfahren.

Wie konnte man als Kind die NS-Diktatur aushalten?

Ich war natürlich ein frühreifes und politisch insofern aufgeklärtes Kind, weil ich wusste, wie ich mich in der Öffentlichkeit verhalten soll, damit man mich für einen Nazi hält. Das war ganz wichtig. Und ich war von zuhause geprägt, wo geschimpft wurde und Witze erzählt wurden. Man hat sich auf den Inseln des Humors bewegt und sich untereinander einesgoscherten Widerstands mit Witzen bedient.

In der zweiten Phase kam der Krieg dann nach Wien.
Die Bomben und die Schüsse: Das kam dann in der zweiten Phase des Kriegs. Da war man ja schon fast froh, dass es bald aus ist.

Artikel vom 29.08.2009 16:11 | KURIER | Otto Klambauer



Wenn aus Begeisterung Entsetzen wird

Studie

Bild Repro : Vogel Reinhard
Nazi-Hysterie: 1938 jubelten Österreicher den Hitler-Truppen zu

http://kurier.at/nachrichten/1934313.php

Frau F. erinnert sich genau: Da stehen ihre Brüder in schmucken Uniformen. Die beiden jungen Österreicher sind stolz, deutsche Soldaten zu sein. "Das war etwas Besonderes. Wir konnten ja nicht wissen, dass sie nicht mehr zurückkommen würden aus einem furchtbaren Krieg."

Frau F. ist eine von über 100 Zeitzeugen, die unter der Leitung von Bernd Semrad vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Uni Wien zum Thema "Drittes Reich" befragt wurden (Details über Erinnerungskultur finden sich in medien&zeit, zu beziehen über demos@medienundzeit.at ). Die überwiegende Mehrheit der Befragten gab an, mit dem "Anschluss" zufrieden bis begeistert gewesen zu sein.

Die allgemeine Begeisterung verflüchtigte sich mit dem ersten Kanonendonner. Eine damals 12-Jährige sagt: "Um 11 Uhr bin ich im Schlafzimmer gestanden, wo das Radio war. Der Kriegsbeginn wurde verkündet. Ich war wie vom Blitz getroffen." Viele waren überrascht, vor allem die Jungen. Die Älteren, ergab die Studie, hätten teilweise eine Vorahnung gehabt, berichten die Zeugen, die 1939 meist noch Jugendliche waren. Eine 86-Jährige erzählt: "Mein Vater hat 1937 gesagt: ,Wenn Hitler kommt, braucht sich keiner freuen. Der bringt den Krieg.'"

Der Kriegsbeginn offenbarte auch, dass Jungvolk, Bund deutscher Mädchen und Hitlerjugend nicht nur der Erziehung zur Volksgemeinschaft dienten, sondern auch zur Wehrertüchtigung. Künftiges Kanonenfutter für das Tausendjährige Reich, das nur 12 Jahre währte. Die Angst vor den Bomben und den Russen, Hunger, die vielen Toten ("Nur sieben von 31 unseres Jahrgangs im Dorf überlebten", sagt eine Zeugin) - das sind die meistgenannten Erinnerungsstücke.

Ernüchterung

Bild Bild: Archiv
Euphorie ist verflogen: Wiener hören Hitlers Rede zum Polen-Überfall

Doch nicht alle gewinnen dem Krieg ausschließlich Negatives ab. Selbst heute meinen noch einige unverbesserlich, die Einverleibung von deutschen Gebieten sei legitim gewesen. Auch zeigten sich viele noch nach den ersten Blitzsiegen beeindruckt, teils euphorisch. "Der Krieg war auch nicht falsch gedacht", meint ein ehemaliger Wehrmachtssoldat. Der Überfall auf die Sowjetunion sei notwendig gewesen, da sonst die Russen ganz Europa überrollt hätten.

Doch die Mehrheit berichtet von Ernüchterung, die mit dem Krieg einsetzte und sich sukzessive in Entsetzen verwandelte. Hitler, so der Tenor, sei eine faszinierende Person gewesen, doch man habe nicht wissen können, dass er Krieg und Vernichtung plante.

Ein Zeuge mahnt: "Die Jugend muss erfahren, was geschehen ist. Alles. Sie muss begreifen, dass so etwas nie wieder passieren darf."

P.S.: Studienleiter Bernd Semrad ist glücklich über jeden weiteren Zeitzeugen. Kontakt per Mail an: bernd.semrad@univie.ac.at

Artikel vom 29.08.2009 15:33 | KURIER | Erich Vogl



Vom Blitzkrieg zur totalen Niederlage

Kriegsverlauf

Bild Bild : ap
Szene vom Kriegsbeginn: Wehrmachtssoldaten reißen Grenzbalken zu Polen ab

http://kurier.at/nachrichten/1934321.php


Vor dem Reichstag in Berlin verkündete Adolf Hitler am Vormittag des 1. September 1939 in einer landesweit im Rundfunk übertragenen Rede: "Seit 5 Uhr 45 wird jetzt zurückgeschossen. Von jetzt ab wird Bombe mit Bombe vergolten."

Tatsächlich hatte der Überfall auf Polen, der den Zweiten Weltkrieg auslöste, schon um 4 Uhr 20 begonnen, als deutsche Sturzkampfbomber (Stuka) Wielun, ein kleines polnisches Städtchen, angriffen. Nur wenig später, um 4 Uhr 45, eröffnete das Linienschiff "Schleswig-Holstein" das Feuer auf die polnische Enklave Westerplatte vor der Hansestadt Danzig.

Es folgten sechs Jahre Krieg, die Europa in Schutt und Asche legten und rund 55 Millionen Tote forderten.

Expansion

Der Polenfeldzug war lange geplant und ein weiterer Schritt in Hitlers Expansionsdrang: Nach dem "Anschluss" Österreichs (März 1938), der Besetzung des Sudetenlandes (Oktober 1938) und der Zerschlagung der Rest-Tschechoslowakei (März 1939).

Als Vorwand diente ein vom NS-Regime inszenierter Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz, für den man polnische Freischärler verantwortlich machte.

Der deutsche Angriff auf Polen erfolgte ohne Kriegserklärung. Frankreich und Großbritannien, Schutzmächte Polens, erklärten am 3. September 1939 Deutschland den Krieg.

Der Polenfeldzug dauerte nur einen Monat: 1,3 Millionen polnische Soldaten standen 1,5 Millionen deutschen gegenüber. Doch an Ausrüstung wie Panzern und Luftwaffe war Polens Armee total unterlegen. Am 28. September 1939 musste Warschau kapitulieren. Da war Polen schon zwischen dem Deutschem Reich und der Sowjetunion aufgeteilt: Seit 17. September stand die Rote Armee in Ostpolen.

Dann ging es Schlag auf Schlag: Erst besetzte Deutschland im April 1940 Dänemark und Norwegen. Am 10. Mai 1940 eröffnete Hitler den Krieg im Westen mit dem Angriff auf die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich.

Wende

Hitler schien von Sieg zu Sieg zu eilen. Am 22. Juni 1941 folgte der Angriff auf die Sowjetunion. Doch im Kriegswinter 1941/42 kam die deutsche Offensive zum Stillstand, Anfang 1943 folgte die Niederlage in der Schlacht um Stalingrad. Die Wende beschleunigt hatte der Kriegseintritt der USA nach Japans Überfall auf Pearl Harbor Ende 1941.

Ab nun trat die deutsche Wehrmacht den Rückzug an. Am 8. Mai 1945 trat die Kapitulation Hitler-Deutschlands in Kraft. Hitler hatte schon am 30. April 1945 Selbstmord begangen.

In Europa war der Krieg zu Ende. Auf dem Kriegsschauplatz Asien kapitulierte Japan erst am 2. September 1945, nach den US-Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki. Damit war der Zweite Weltkrieg formell beendet.

Artikel vom 29.08.2009 15:56 | KURIER |



und noch weitere erzählungen :

Haben Ihnen Ihre Eltern vom Krieg erzählt?


Vor 70 Jahren, am 1. September, begann der Zweite Weltkrieg - ein Tag, der die Welt veränderte. Was hat Ihnen Ihre Familie vom Krieg berichtet?

http://kurier.at/interaktiv/meinungen/1934091.php

daraus 2 "typische" :

Mein Großvater hat den Löffel eines Kameraden aufbewahrt, der wenige Meter hinter ihm marschierte und starb, als eine Brücke bombardiert wurde. Der Mann stand ihm offenbar sehr nah. Vielleicht war es aber auch deshalb, weil er genausogut an dessen Stelle sein hätte können. Er hat täglich seine Suppe damit gelöffelt. Der Krieg war für ihn immer präsent. Bei politischen Fragen zu dieser Zeit hat er immer abgewunken. Aus Scham und Entsetzen über die Taten des Regimes? Oder aus Ärger darüber, dass seine Generation für ihr damaliges Verhalten kritisiert wird? "Ihr habt ja keine Ahnung, wie das war", pflegte er dann zu sagen. Ludwig M., Wien | 29.08.2009 - 20:19


...mein Schwiegervater hat auch geschwiegen. Wir wissen aber aus den knappen Erzählungen, daß er grauenhaftes erlebt hat. Er wr 2 x verschüttet, hatte daher einen Gehörschaden, wurde mehrfach angeschossen und stand auch einem Russen von Angesicht zu Angesicht gegenüber. Beide Männer ließen die Gewehre fallen und taten sich nichts. Gefangenschaft kam auch auf ihn zu. Sehr viel für einen einzelnen Menschen und manche haben noch sehr viel mehr erlebt. Und das kann schweigsam machen. Schäden haben viele Männer aus der Zeit mitgenommen, auch solche die sie bis heute nicht "verkraftet" haben. evelyn g. | 29.08.2009 - 20:20


mir fällt dazu noch ein "zeitzeuge" ein, ein ehemaliger arbeitskollege in den 60er-jahren. ein nervenbündel, klapperdürr mit einem kopf wie ein faltiger totenschädel mit wenigen grauen haaren. bei jedem lauten geräusch zuckte er zusammen, in den 2 jahren sah ich ihn genau einmal lachen. er hatte magengeschwüre und zitterte oft unmotiviert am ganzen körper, war oft nicht fähig, zur arbeit zu kommen. er leitete eine abteilung, hatte ein ungeheures wissen, war aber körperlich ein wrack, sah aus wie ein 100-jähriger, war wahrscheinlich aber erst ca. 50. eine kollegin erzählte mir dann, dass er im krieg gemeinsam mit seiner frau verschüttet war, nach stunden wurde er gefunden, er hat gerade noch überlebt, seine frau ist neben ihm gestorben. wenn zufällig irgendwas von "krieg" o.ä. in seiner gegenwart erwähnt wurde, fing er an zu weinen...
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Re: die schuld der alten

Beitragvon xenia am Sonntag 30. August 2009, 20:53

Der totgeschwiegene Angriff

Zweiter Weltkrieg: Die polnische Stadt Wielun war allererstes Ziel der Nazi-Luftwaffe. Doch darüber wollte später niemand sprechen.

Bild Bild : ap
Die Stadt wurde in Schutt und Asche gelegt.

http://kurier.at/nachrichten/1934544.php


Am frühen Morgen des 1. September 1939 steht der 13-jährige Eugeniusz Kolodziejczyk mit seinem Vater auf dem neuen Marktplatz der polnischen Kreisstadt Wielun. Der Vater wartet mit ein paar anderen Männern auf die Einberufung, es soll Krieg mit Deutschland geben. Wielun selbst, so sagen die Leute, drohe keine Gefahr, es gibt hier ja nur eine Zuckerfabrik. Im Radio gab es am Vorabend noch Entwarnung. Doch Eugeniusz hört ein Dröhnen und sieht die Flugzeuge mit dem Kreuz, dann fallen schon die Bomben.

Menschen hasten im Nachthemd aus brennenden Häusern, die Flugzeuge stoßen tief herunter und beschießen die Fliehenden. Vor dem ebenfalls getroffenen Spital sieht Eugeniusz die Verletzten liegen. Weinen kann er nicht, er spürt nur einen Kloß im Hals.

Zofia Burchaczynska erwacht durch ein Heulen, dann hört sie ein Krachen, Glas splittert, in der Nähe ist etwas explodiert. Mit ihrer Mutter springt die 11-Jährige barfuß aus dem Fenster. Sie rennen in einen Keller voller weinender und betender Menschen nahe dem Marktplatz, wo die meisten Bomben fallen. Durch 29 Sturzkampfbomber wird die Stadt überrascht, nach zwei weiteren Angriffen am Tag sind 70 Prozent der Gebäude zerstört, 1200 Menschen sollen umgekommen sein.

Über die Uhrzeit des Angriffs gibt es heute Diskussionen. Nach Angaben der Luftwaffe begann er um 5.40 Uhr. Polnische Augenzeugen, wie Eugeniusz Kolodziejczyk, erklären, es sei eine Stunde früher gewesen. Wielun wäre somit das erste Angriffsziel im Zweiten Weltkrieg; noch fünf Minuten vor dem Beschuss des Munitionsdepots in Danzig.

Taktik des Schreckens

Doch warum dieser massive Angriff auf eine Provinzstadt mit 16.000 Einwohnern? Heute sind sich die Historiker einig - an der Stadt, die zu den ältesten Polens gehört, sollten die neuen Bombentaktiken erprobt werden. Wielun wurde zum Präzedenzfall des neuen Luftkriegs, der Schrecken über ganz Europa bringen sollte.

Beim Einmarsch erlebt Wielun das, was später kennzeichnend für den Krieg im Osten sein wird - Exekutionen, weitere Häuser werden in Brand gesetzt. Zofia und ihre Mutter können noch am ersten Kriegstag die Stadt verlassen und fliehen bis nach Ostpolen. Dort werden sie vom Sowjet-Einmarsch überrascht und kommen in den Gulag, aus dem sie erst im Mai 1945 heimkehren.

Auch Eugeniusz kehrt in dieser Zeit zurück, auf 46 Kilo abgemagert, aus einem Konzentrationslager bei Rostock, in das er 1940 deportiert wurde. Beide mussten sich auf den Ruinen der Stadt eine Existenz aufbauen.

Lange Zeit war das Schicksal Wieluns eher unbekannt - aus unterschiedlichen Gründen: In Publikationen des Dritten Reichs und der Nachkriegszeit wurde polnisches Militär in die Pilotenberichte "eingebaut", um nachträglich die Bombardierung zu rechtfertigen, die nur Zivilisten traf. "Keine besonderen Feindbeobachtungen" steht aber in den Original-Unterlagen der Luftwaffe: Der Ort, 16 Kilometer von der damaligen Grenze entfernt, war ohne Militär.

Im Sozialismus gedachte man lieber des Kampfs auf der Westerplatte. Dort hielten die Verteidiger des Munitionsdepots eine Woche aus und fügten den deutschen Angreifern schwere Verluste zu. "Man durfte bis zur Wende nicht offiziell über den Angriff auf Wielun reden", erzählt die Museumsangestellte der Stadt.

Heuer ist Wielun für den Friedensnobelpreis nominiert. Zu den Feiern wird Präsident Lech Kaczynski eine Rede halten, sein deutscher Amtskollege Horst Köhler ist dazu eingeladen.

Auch Eugeniusz Kolodziejczyk und Zofia Burchaczynska werden Ehrenplätze haben. Die deutsch-polnische Aussöhnung bejahen beide, Frau Burchaczynska hat aber auch Zweifel: "Sie sind doch Deutscher, gehören zu einer kultivierten Nation", fragt sie den Reporter durchdringend, "wie konnte das damals nur passieren?"

Artikel vom 30.08.2009 18:21 | KURIER | Jens Mattern



Nach sechs Jahren Weltkrieg war Europa ein verwüsteter Kontinent

Bilanz

Bild Bild : ap
Etwa 30 Millionen Europäer verloren durch den Krieg ihre Heimat.

http://kurier.at/nachrichten/1934546.php


Mit dem Überfall auf Polen vor 70 Jahren, am 1. September 1939, brach Hitler-Deutschland den Zweiten Weltkrieg vom Zaun. Mit der Kapitulation Japans am 2. September 1945 wurde der Zweite Weltkrieg formell beendet - auf dem Kriegsschauplatz Europa war er bereits am 8. Mai 1945 zu Ende.

In diesen 2194 Tagen erlebte die Welt den schlimmsten Krieg der Geschichte. Zuletzt waren 61 Staaten weltweit beteiligt.

Rund 55 Millionen Menschen wurden im Zweiten Weltkrieg getötet, davon 27 Millionen Soldaten. 35 Millionen Menschen wurden verwundet - auf den Schlachtfeldern, aber auch bei Luftangriffen vor allem auf Großstädte. 3 Millionen Menschen blieben vermisst.

Ganz im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg betraf der Zweite massiv die Zivilbevölkerung: Rund die Hälfte der Kriegstoten waren Zivilisten - darunter bis zu 6 Millionen Juden, Sinti und Roma, Homosexuelle und Behinderte, die in Konzentrationslagern und bei Medizin-Experimenten Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns wurden.

Von 5,7 Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen starben rund 3,3 Millionen in deutscher Gefangenschaft. Von 3,1 Millionen deutschen Soldaten in sowjetischer Gefangenschaft starben rund 1,3 Millionen.

Etwa 30 Millionen Europäer verloren durch den Krieg ihre Heimat, darunter mindestens 14 Millionen Deutsche, die bei Kriegsende aus ihren Siedlungsgebieten vertrieben wurden.

Die wirtschaftlichen Schäden des Krieges waren unermesslich, sie können nicht annähernd geschätzt werden.

Österreich

Auch Österreich musste durch den Zweiten Weltkrieg schwere Verluste erleiden: Rund 247.000 Österreicher, die als Soldaten in der deutschen Wehrmacht eingezogen waren, fanden den Tod.

24.300 österreichische Zivilisten kamen bei Kriegshandlungen und Luftangriffen ums Leben.

Mehr als 65.000 österreichische Juden wurden in Konzentrationslagern ermordet. 2700 Österreicher wurden hingerichtet. 16.100 Österreicher starben in Gestapo-Haft, 16.500 in Konzentrationslagern.

71.000 Wohnungen wurden in Österreich zerstört, mehr als 100.000 Wohnungen durch Luftangriffe beschädigt. Am schlimmsten waren die Zerstörungen durch Luftangriffe in Wien (33 Prozent) und Niederösterreich (25 Prozent).

Artikel vom 30.08.2009 18:03 | KURIER | Otto Klambauer
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Re: die schuld der alten

Beitragvon majestix am Montag 31. August 2009, 01:09

xenia hat geschrieben:auch ein "schuldiger alter", der nicht früher erzählt hat ?

"Ich hab mir meine Kindheit nicht rauben lassen"

Vor 70 Jahren, am 1. September 1939, begann der Zweite Weltkrieg. Otto Schenk erlebte den Tag, als der Weltkrieg ausbrach, in Wien.

Bild Bild : Kurier/Borovieczeny
"Wie ein großer Trauertag": Otto Schenk ist die gedrückte Stimmung in Wien am Tag, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, noch in tiefer Erinnerung



Ziemlich sicher, wenn man Trebbiatores Maßstäbe anlegt.
Von Otto Schenk hat man bisher wenig bis gar nichts über seine Jugend, seine Jüdische Abstammung und seine Beurteilung der Siruation damals gehört oder gelesen.
Otto Schenk ist in seiner Erinnerung unglaubwürdig - hinsichlich der gedrückten Stimmung in Wien, als der zweite Weltkrieg ausbrach. Damals war von Weltkrieg nämlich noch gar keine Rede. Da gab es nur die Erfolge des Blitzkrieges.

Einem 15-jährigen war damals wie heute die Politik völlig egal.
Otto Schenk macht sich nachträglich wichtig. Das hätte er nicht mehr notwendig.
Oder doch?
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Re: die schuld der alten

Beitragvon OHB am Montag 31. August 2009, 08:23

majestix hat geschrieben:
xenia hat geschrieben:auch ein "schuldiger alter", der nicht früher erzählt hat ?

"Ich hab mir meine Kindheit nicht rauben lassen"

Vor 70 Jahren, am 1. September 1939, begann der Zweite Weltkrieg. Otto Schenk erlebte den Tag, als der Weltkrieg ausbrach, in Wien.

Bild Bild : Kurier/Borovieczeny
"Wie ein großer Trauertag": Otto Schenk ist die gedrückte Stimmung in Wien am Tag, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, noch in tiefer Erinnerung



Ziemlich sicher, wenn man Trebbiatores Maßstäbe anlegt.
Von Otto Schenk hat man bisher wenig bis gar nichts über seine Jugend, seine Jüdische Abstammung und seine Beurteilung der Siruation damals gehört oder gelesen.
Otto Schenk ist in seiner Erinnerung unglaubwürdig - hinsichlich der gedrückten Stimmung in Wien, als der zweite Weltkrieg ausbrach. Damals war von Weltkrieg nämlich noch gar keine Rede. Da gab es nur die Erfolge des Blitzkrieges.

Einem 15-jährigen war damals wie heute die Politik völlig egal.
Otto Schenk macht sich nachträglich wichtig. Das hätte er nicht mehr notwendig.
Oder doch?


vorab ich schätze otto schenk als schauspieler sehr
doch viele menschen wollen sich heute als
SEHER (ich habe es schon immer gewußt) sehen
8)
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Re: die schuld der alten

Beitragvon trebbiatore am Montag 31. August 2009, 08:33

majestix hat geschrieben:
Ziemlich sicher, wenn man Trebbiatores Maßstäbe anlegt.
Von Otto Schenk hat man bisher wenig bis gar nichts über seine Jugend, seine Jüdische Abstammung und seine Beurteilung der Siruation damals gehört oder gelesen.
Otto Schenk ist in seiner Erinnerung unglaubwürdig - hinsichlich der gedrückten Stimmung in Wien, als der zweite Weltkrieg ausbrach. Damals war von Weltkrieg nämlich noch gar keine Rede. Da gab es nur die Erfolge des Blitzkrieges.

Einem 15-jährigen war damals wie heute die Politik völlig egal.
Otto Schenk macht sich nachträglich wichtig. Das hätte er nicht mehr notwendig.
Oder doch?


naja, im alter wird er draufgekommen sein dass er diesbezüglich defizite hatte.
der mann hatte wieviele lesungen und dabei sensationelle (berechtigte) erfolge? einige hunderte. ein kritisches thema übern 2.wk war nicht darunter.
ja eh wurscht, mir hat er immer gefallen, ich habe auch keinen otto schenk gebraucht, mir hat mein vater genug erzählt und unser sohn waß a bescheid.
und die eltern der heutigen nazi-anhänger haben entweder vom krieg profitiert, in welcher form auch immer, oder haben in den frühen fünfzigern ausschließlich "heile welt und edle wonne" film- oder theateraufführungen genossen und das thema krieg erst gar net angeschnitten.
aber die mehrheit der österreicher hats eh kapiert...
schönen wochenbeginn, hacklts wås ;-)
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Re: die schuld der alten

Beitragvon OHB am Montag 31. August 2009, 09:07

trebbiatore hat geschrieben:
majestix hat geschrieben:
Ziemlich sicher, wenn man Trebbiatores Maßstäbe anlegt.
Von Otto Schenk hat man bisher wenig bis gar nichts über seine Jugend, seine Jüdische Abstammung und seine Beurteilung der Siruation damals gehört oder gelesen.
Otto Schenk ist in seiner Erinnerung unglaubwürdig - hinsichlich der gedrückten Stimmung in Wien, als der zweite Weltkrieg ausbrach. Damals war von Weltkrieg nämlich noch gar keine Rede. Da gab es nur die Erfolge des Blitzkrieges.

Einem 15-jährigen war damals wie heute die Politik völlig egal.
Otto Schenk macht sich nachträglich wichtig. Das hätte er nicht mehr notwendig.
Oder doch?


naja, im alter wird er draufgekommen sein dass er diesbezüglich defizite hatte.
der mann hatte wieviele lesungen und dabei sensationelle (berechtigte) erfolge? einige hunderte. ein kritisches thema übern 2.wk war nicht darunter.
ja eh wurscht, mir hat er immer gefallen, ich habe auch keinen otto schenk gebraucht, mir hat mein vater genug erzählt und unser sohn waß a bescheid.
und die eltern der heutigen nazi-anhänger haben entweder vom krieg profitiert, in welcher form auch immer, oder haben in den frühen fünfzigern ausschließlich "heile welt und edle wonne" film- oder theateraufführungen genossen und das thema krieg erst gar net angeschnitten.
aber die mehrheit der österreicher hats eh kapiert...
schönen wochenbeginn, hacklts wås ;-)


pensionisten sind immer beim hackln :twink:
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Re: die schuld der alten

Beitragvon majestix am Dienstag 1. September 2009, 01:12

trebbiatore hat geschrieben:naja, im alter wird er draufgekommen sein dass er diesbezüglich defizite hatte.


Es geht mir nicht um den Schauspieler, sondern um einen Menschen, dessen Erinnerung gefärbt klingt. "Ach ja, vor 70 Jahren hat der Weltkrieg begonnen, damals war ich 15, also fast erwachsen, und natürlich habe ich damals schon erkannt, was auf uns zukommt."

Defizite hat Schenk kaum - war er doch ein Betroffener der Rassengesetze, wenn auch in milder Form.

Eben weil er keine Wissensdefizite haben dürfte, halte ich ihn für schuldig im Sinn Deines Threads.
Gerade er hätte schon viel früher über seine Jugend reden, und gegen Neonazi auftreten können, Fritz Muliar hat das auch getan. Mit großem Engagement.
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Re: die schuld der alten

Beitragvon majestix am Dienstag 1. September 2009, 01:33

Es gibt übrigens demnächst auch in Wien eine Ausstellung über Kriegsdienstverweigerer und Deserteure, und über deren Schicksal.

Kriegsdienstverweigerer und Deserteure wurden ja auch nach dem Krieg von ehem. Wehrmachtsangehörigen als Feiglinge tituliert.
Das zeigt ja schon, wie duckmäuserisch und engstirnig die Mehrheit der damaligen Generation war.
Wer sich von der Masse absondert und unerlaubt von der Truppe entfernt, weil er dem GRÖFAZ den Gehorsam verweigert, ist eben ein Feigling.
Die zum Tod verurteilten und hingerichteten Kriegsdienstverweigerer sind bis heute nicht gänzlich rehabilitiert, obwohl sie nachweislich gegen das Nazi-Regime aufgetreten sind.
Die Göbbelsche Indoktrination wirkt leider auch heute noch nach.
Das Leben ist ziemlich lebensgefährlich - Wer gesund stirbt, ist auch tot.
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Re: die schuld der alten

Beitragvon OHB am Dienstag 1. September 2009, 08:07

viele menschen sind nicht zum helden geboren
weder für das eine noch für das andere
es überwiegt der selbsterhaltungstrieb
daher wird der leichtere weg genommen
war so - ist so - wird immer so sein
8)
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Re: die schuld der alten

Beitragvon xenia am Dienstag 1. September 2009, 13:22

"Kurier" vom 31.08.2009
Ressort: Innenpolitik
Seite: 3
Ausgabe: Wi,Abend



Wehrmachtsausstellung: Wenn "Feiglinge" Heldenhaftes tun


Dreimal stand Michael Guttenbrunner vor dem Kriegsgericht. Weil er die verbotenen Sozialdemokraten unterstützte; weil er Befehle verweigerte und seinen Vorgesetzten, einen Nazi-Offizier, schlug. Seiner Hinrichtung entging er nur, weil das Todesurteil zur "Frontbewährung" ausgesetzt wurde - der Wehrmacht fehlten in den letzten Kriegsjahren Soldaten, in der berüchtigten SS-Sturmbrigade Dirlewanger war die Überlebenschance ohnehin gering.

Fahnenflüchtige

Der österreichische Dichter und Schriftsteller Michael Guttenbrunner ist einer der prominenten Deserteure, deren Leben in der Ausstellung "Was damals Recht war ... - Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht" gezeigt wird. Ab 1. September bietet die Ausstellung die Möglichkeit, mehr über die "Fahnenflüchtigen" im Dritten Reich zu erfahren. Die Wanderschau ist ursprünglich von der "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas" für Deutschland entwickelt worden. Sie war in zwölf Städten - unter anderen in München - zu Gast. Das Interesse war groß. In Zusammenarbeit mit dem Verein Gedenkdienst und dem Personenkomitee "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz" wurde die Schau jetzt für Österreich adaptiert. 60 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wird die Wanderausstellung im Theater Nestroyhof Hamakom im zweiten Wiener Bezirk gezeigt. Der Ort ist bewusst gewählt, handelt es sich doch um ein ehemaliges jüdisches Theater.

Bewusstsein

"Wir wollen zum Nachdenken anregen und gerade bei jüngeren Menschen Bewusstsein schaffen", sagt Robert Kogler vom Verein Personenkomitee im KURIER-Gespräch. Dementsprechend gibt es für Schüler und Grundwehrdiener spezielle Führungen. Die NS-Wehrmachtsjustiz vollstreckte gegen 1200 bis 1500 österreichische Wehrdienstverweigerer ein Todesurteil. "Wie viele Deserteure flüchten konnten und noch am Leben sind, wissen wir nicht. Es ist schwer, an sie heranzukommen", sagt Kogler. Eine Erklärung dafür: Bis heute seien viele der Ansicht, Wehrmachtsdeserteure seien "Feiglinge". Die Veranstalter arbeiten an einer umfassenden gesellschaftlichen und juristischen Rehabilitierung der Opfer der NS-Militärjustiz. Die Ausstellung konzentriert sich auf drei Österreich-spezifische Bereiche: Auf den Partisanen-Widerstand in Slowenien; auf Deserteure, die sich in den Alpen versteckt haben; und auf Wehrdienstleistende, die sich selbst verstümmelten, um dadurch dem Wehrdienst - an der Front - zu entgehen. "In der Ausstellung werden die Geschichten von zwölf Deserteuren zu sehen sein", sagt der Obmann des Vereins "Gerechtigkeit für Opfer der NS-Militärjustiz", Thomas Geldmacher. Ihm ist vor allem eines wichtig: "Wir kämpfen für eine gesellschaftliche Anerkennung der Deserteure."

http://www.pk-deserteure.at

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Re: die schuld der alten

Beitragvon trebbiatore am Dienstag 1. September 2009, 14:56

majestix hat geschrieben:
trebbiatore hat geschrieben:naja, im alter wird er draufgekommen sein dass er diesbezüglich defizite hatte.


Es geht mir nicht um den Schauspieler, sondern um einen Menschen, dessen Erinnerung gefärbt klingt. "Ach ja, vor 70 Jahren hat der Weltkrieg begonnen, damals war ich 15, also fast erwachsen, und natürlich habe ich damals schon erkannt, was auf uns zukommt."

Defizite hat Schenk kaum - war er doch ein Betroffener der Rassengesetze, wenn auch in milder Form.

Eben weil er keine Wissensdefizite haben dürfte, halte ich ihn für schuldig im Sinn Deines Threads.
Gerade er hätte schon viel früher über seine Jugend reden, und gegen Neonazi auftreten können, Fritz Muliar hat das auch getan. Mit großem Engagement.


heute lese ich dass strache eine firma besessen hat die söldner für den irak ausbildete.
also wenn DAS stimmt gehts über...das darf doch net wahr sein. da faselt dieses arschloch von neutralität wahren und hat a firma die leute in den krieg schickt.
das ist ja alles nimmer normal was sich da rundherum abspielt.
aber vielleicht gehen dort a paar neonazis drauf und a ruah is...
UNPACKBAR!!! :?
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Re: die schuld der alten

Beitragvon trebbiatore am Dienstag 1. September 2009, 15:02

xenia hat geschrieben:"Kurier" vom 31.08.2009
Ressort: Innenpolitik
Seite: 3
Ausgabe: Wi,Abend



Wehrmachtsausstellung: Wenn "Feiglinge" Heldenhaftes tun


Dreimal stand Michael Guttenbrunner vor dem Kriegsgericht. Weil er die verbotenen Sozialdemokraten unterstützte; weil er Befehle verweigerte und seinen Vorgesetzten, einen Nazi-Offizier, schlug. Seiner Hinrichtung entging er nur, weil das Todesurteil zur "Frontbewährung" ausgesetzt wurde - der Wehrmacht fehlten in den letzten Kriegsjahren Soldaten, in der berüchtigten SS-Sturmbrigade Dirlewanger war die Überlebenschance ohnehin gering.

Fahnenflüchtige

Der österreichische Dichter und Schriftsteller Michael Guttenbrunner ist einer der prominenten Deserteure, deren Leben in der Ausstellung "Was damals Recht war ... - Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht" gezeigt wird. Ab 1. September bietet die Ausstellung die Möglichkeit, mehr über die "Fahnenflüchtigen" im Dritten Reich zu erfahren. Die Wanderschau ist ursprünglich von der "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas" für Deutschland entwickelt worden. Sie war in zwölf Städten - unter anderen in München - zu Gast. Das Interesse war groß. In Zusammenarbeit mit dem Verein Gedenkdienst und dem Personenkomitee "Gerechtigkeit für die Opfer der NS-Militärjustiz" wurde die Schau jetzt für Österreich adaptiert. 60 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wird die Wanderausstellung im Theater Nestroyhof Hamakom im zweiten Wiener Bezirk gezeigt. Der Ort ist bewusst gewählt, handelt es sich doch um ein ehemaliges jüdisches Theater.

Bewusstsein

"Wir wollen zum Nachdenken anregen und gerade bei jüngeren Menschen Bewusstsein schaffen", sagt Robert Kogler vom Verein Personenkomitee im KURIER-Gespräch. Dementsprechend gibt es für Schüler und Grundwehrdiener spezielle Führungen. Die NS-Wehrmachtsjustiz vollstreckte gegen 1200 bis 1500 österreichische Wehrdienstverweigerer ein Todesurteil. "Wie viele Deserteure flüchten konnten und noch am Leben sind, wissen wir nicht. Es ist schwer, an sie heranzukommen", sagt Kogler. Eine Erklärung dafür: Bis heute seien viele der Ansicht, Wehrmachtsdeserteure seien "Feiglinge". Die Veranstalter arbeiten an einer umfassenden gesellschaftlichen und juristischen Rehabilitierung der Opfer der NS-Militärjustiz. Die Ausstellung konzentriert sich auf drei Österreich-spezifische Bereiche: Auf den Partisanen-Widerstand in Slowenien; auf Deserteure, die sich in den Alpen versteckt haben; und auf Wehrdienstleistende, die sich selbst verstümmelten, um dadurch dem Wehrdienst - an der Front - zu entgehen. "In der Ausstellung werden die Geschichten von zwölf Deserteuren zu sehen sein", sagt der Obmann des Vereins "Gerechtigkeit für Opfer der NS-Militärjustiz", Thomas Geldmacher. Ihm ist vor allem eines wichtig: "Wir kämpfen für eine gesellschaftliche Anerkennung der Deserteure."

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Copyrighthinweis: © Kurier - Wien, 2009.


so schauts aus, leuten wie guttenbrunner gehört ein denkmal gesetzt und nicht den waffen-SSlern.
warum gedenkt dem herren niemand am ulrichsberg?
dort gedenkt man lieber den tätern als den opfern.
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Re: die schuld der alten

Beitragvon xenia am Dienstag 1. September 2009, 15:55

der Rimbaud-verlag hat ihm ein denkmal gesetzt :

Bild

Michael Guttenbrunner, geb. 7. September 1919 in Althofen in Kärnten. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, war er früh zur Selbstständigkeit gezwungen. Er war auch früh politisch aktiv: Wegen illegaler Betätigung für die sozialdemokratische Partei wurde er im «Ständestaat» 1935 verhaftet. 1938 wurde er in Wien wegen regimefeindlichen Verhaltens von der Ausbildung zum Graphiker ausgeschlossen, seine Einberufung 1940 hinderte ihn nicht an der Beibehaltung seiner regimekritischen Haltung. Nach dem Krieg war er wiederum ein unbequemer Zeitgenosse, war in verschiedenen Berufen tätig. Seine erste literarische Veröffentlichung datiert von 1947. Er schrieb keine «moderne» Literatur. Sein Vorbild war Karl Kraus. Er blieb mit Absicht ein Außenseiter des Literaturbetriebes, er war zu keinen Kompromissen bereit. Michael Guttenbrunner lebte seit 1954 in Wien, wo er am 12. Mai 2004 starb.


Michael Guttenbrunner Werkausgabe:
Schwarze Ruten
Der Abstieg
Der Abstieg EA
Im Machtgehege I
Im Machtgehege (1) EA
Im Machtgehege II
Im Machtgehege III
Im Machtgehege IV
Im Machtgehege V
Im Machtgehege VI
Im Machtgehege VII
Im Machtgehege VIII
Aus dem Machtgehege
Lichtvergeudung
Spuren und Überbleibsel
Ungereimte Gedichte
Die lange Zeit
Opferholz

Christian Teissl: Wege ins Ungereimte Zur Lyrik Michael Guttenbrunners


http://www.rimbaud.de/guttenbrunner.html
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Re: die schuld der alten

Beitragvon xenia am Samstag 5. September 2009, 13:23

xenia hat geschrieben:sooo einfach dürfte das damals auch nicht gewesen sein. angenommen, A muss flüchten, er verkauft B z.b. ein bild für die angenommenen fahrtkosten, weil er ja das bild gar nicht mitnehmen darf und kann. B gefällt es nicht, er verkaufts C. C geht damit ins D wie Dorotheum, dort wird es ganz normal an F (z.b. ein museum) versteigert. jahre später - A, B, oder C sterben, schon ist die "nachforschungskette" unterbrochen. F weiß nichts über die geschichte des bildes, woher auch. wem hätte er das bild zurückgeben können ? E - die erben - meinen, dass das bild weit unter seinem wert verkauft wurde. man sieht es auf alten familienfotos, es war "schon immer" in familienbesitz.

A war selig, wenigstens eine kleine chance zu sehen, wegzukommen, B, C, D und F haben es rechtmäßig gekauft. und jetzt ? das bild hat nicht nur einen immateriellen wert als familienerbstück, sondern auch einen materiellen, der vielleicht inzwischen sehr gestiegen ist.

wer kann beweisen, dass A das bild verkauft hat und es nicht einfach "arisiert" wurde ?



mein konstruiertes beispiel ist in etwa derzeit aktuell :


Rückgabe von Vermeers "Malkunst" gefordert


Die Erben nach Jaromir Czernin wollen die Restitution des Vermeer-Bildes "Die Malkunst" aus dem KHM. Es soll das teuerste Bild Österreichs sein.

Bild Bild : KHM
Jaromir Czernin verkaufte "Die Malkunst" von Jan Vermeer 1940 an Adolf Hitler. Seit 1946 hängt es im Kunsthistorischen Museum.

http://kurier.at/kultur/1936092.php

In einem Schreiben an die Republik Österreich fordern die Erben nach Jaromir Czernin die Restitution des Bilds "Die Malkunst" von Jan Vermeer (1632-1675) aus dem Kunsthistorischen Museum Wien (KHM). Wie die Tageszeitung "Der Standard" in seiner Samstag-Ausgabe berichtet, hatte Jaromir Czernin das Gemälde 1940 an Adolf Hitler für das geplante Führermuseum in Linz verkauft - unter Zwang, wie die Familie Czernin meint. Seit 1946 befindet sich das um 1665 entstandene Bild in Besitz des KHM.

Die Familie Czernin hat laut "Standard" beim Provenienzforscher Michael Wladika ein Gutachten in Auftrag gegeben. Aufgrund dessen Ergebnissen regt die Familie, vertreten vom Anwalt Alexander Theiss, die Rückgabe an. Dass die Familie die Restitution nur "anregt" und vorerst nicht klagen will, erklärt Theiss so: "Wir sind überzeugt, dass die Republik die Angelegenheit offen und ehrlich abhandelt und weitere Schritte nicht erforderlich sind."

Hitler war auf das Bild erpicht

Czernin hätte keine andere Wahl als den Verkauf gehabt, meinte Theiss gegenüber der Zeitung, "Er musste verkaufen, um die Existenz der Familie zu sichern", "das war der Preis, um zu überleben". Czernin war laut "Standard" der Schwager des Ständestaatskanzlers Kurt Schuschnigg und seine Frau, Alix May, war nach den Nürnberger Gesetzen ein "Mischling zweiten Grades". Zudem sei Hitler schon 1935 auf das Bild erpicht gewesen.

Rückgabeforderungen nach dem Krieg waren nach Angaben der Zeitung fehlgeschlagen. Theiss ist davon überzeugt, dass sich die Republik nun nicht der "erschütternden" Argumentation der Nachkriegszeit anschließen werde. Damals sei argumentiert worden, der Verkauf "auf Augenhöhe ausgehandelt" worden sei, Czernin das Gemälde ohne Druck an Hitler verkauft habe und einen angemessenen Kaufpreis dafür bekommen. "Diese Sicht ist erschütternd. Es wurde genauso argumentiert wie im Dritten Reich", so der Anwalt

Bei der "Malkunst handelt es sich um das größte Gemälde des niederländischen Malers, von dem es nicht einmal 40 Bilder gibt. Der "Standard" bezeichnete das Bild in dem Artikel als "teuerstes Bild Österreichs".

Artikel vom 05.09.2009 10:52 | APA | tem
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